Laut Studie
Bewegung könnte Verwirrtheit nach OP vorbeugen
29.10.2026 – 06:31 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine neue Studie legt nahe: Wer vor einer Operation regelmäßig körperlich aktiv ist, entwickelt danach möglicherweise seltener einen Zustand akuter Verwirrtheit.
Eine Operation belastet nicht nur den Körper, sondern kann auch das Gehirn vorübergehend aus dem Gleichgewicht bringen. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, nach einem Eingriff ein postoperatives Delir (auch Durchgangssyndrom genannt) zu entwickeln. Dabei handelt es sich um einen plötzlich auftretenden, vorübergehenden Verwirrtheitszustand, der die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und das Denken beeinträchtigen kann. Betroffene sind beispielsweise desorientiert, unruhig, verängstigt oder aggressiv. Manche erkennen ihre Angehörigen nicht mehr oder leiden unter Sinnestäuschungen.
Die möglichen Folgen reichen von einer verzögerten Genesung bis zu einem längeren Krankenhausaufenthalt. Auch langfristige Schäden am Gehirn lassen sich nicht ausschließen. Eine neue Forschungsarbeit deutet nun darauf hin, dass regelmäßige Bewegung vor dem operativen Eingriff das Risiko für solch ein Delir verringern könnte. Vorgestellt wurden die Ergebnisse kürzlich auf dem Jahreskongress der US-amerikanischen Anästhesisten.
Körperlich aktive Patienten seltener betroffen
Für die Untersuchung werteten Forscher der University of South Florida die Daten von 258 Patienten aus, die zwischen 2024 und 2025 wegen eines Tumors operiert worden waren. Bei 64 von ihnen trat nach der Operation ein Delir auf, bei 194 nicht. Die Wissenschaftler verglichen, wie häufig die Patienten vor dem Eingriff körperlich aktiv gewesen waren. Die Angaben zur körperlichen Aktivität stammten dabei aus Selbstauskünften. Darin hatten die Patienten festgehalten, wie häufig sie gingen, sich mäßig oder intensiv bewegten und wie lange sie täglich saßen. Erfasst wurden Bewegungseinheiten von mindestens zehn Minuten.
Dabei zeigte sich: Wer mindestens siebenmal pro Woche eine Kombination aus Gehen und moderater bis intensiver körperlicher Aktivität angab, hatte ein um etwa 50 Prozent geringeres Risiko für ein postoperatives Delir als weniger aktive Teilnehmer. Patienten, die nach der Operation verwirrt waren, berichteten im Durchschnitt von weniger Bewegung und mehr Sitzzeit.
Erstautorin Melody Haratian erklärt: „Vielen ist vielleicht bewusst, dass Bewegung vor einer Operation dem Körper hilft, schneller zu genesen – aber unsere Studie zeigt, dass sie auch das Gehirn schützen könnte.“
Prähabilitation: Bewegung sollte individuell abgestimmt sein
Die Ergebnisse unterstreichen die möglichen Vorteile einer sogenannten Prähabilitation. Darunter versteht man Maßnahmen, mit denen sich Patienten gezielt auf eine Operation vorbereiten – etwa durch Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und weitere unterstützende Angebote.
Wer einen größeren Eingriff vor sich hat, sollte den Studienautoren zufolge mit dem behandelnden Team besprechen, welche körperlichen Aktivitäten sinnvoll und sicher sind. Das gilt besonders für Menschen, die bereits gesundheitlich eingeschränkt sind. Auch spezielle Vorbereitungsprogramme können helfen, die körperlichen Voraussetzungen für eine Operation zu verbessern.
Allerdings hat die Fall-Kontroll-Studie auch Grenzen: Die Ergebnisse können zwar einen Zusammenhang nahelegen, jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen. Ob Bewegung das Risiko eines postoperativen Delirs tatsächlich senkt und wie gut sich die Ergebnisse auf Operationen im Allgemeinen übertragen lassen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
