Entschuldigung mit Wachstumsschmerzen
Noch schöner wäre ein klares, entschuldigendes Zitat der Moderatorin gewesen, und idealerweise hätte man die Distanzierung nicht in der Kommentarspalte zu einem eher jubilierenden Post zur jüngsten Fernsehgarten-Ausstrahlung versteckt, aber geschenkt. Ansonsten ließ das Statement des Senders keine Fragen offen, und auch beim ZDF ist Social Media offenbar noch Neuland. Wachstumsschmerzen sind vielleicht entschuldbar.
Schwieriger zu entschuldigen ist es, dass Kiewel mit ihrer albernen „Chingchangchongisierung“ Japaner und Chinesen durcheinander warf und fremde Sprachen und Kulturen verballhornte, um ihrem träge in der prallen Mittagshitze brütenden Publikum einen billigen Lacher abzuringen. Einem Vollprofi wie ihr möchte man eigentlich zutrauen, dass sie den schmalen Grat zwischen Klischee und alltagsrassistischer Stereotype erkennen kann. Sie hat bewiesen: Sie kann es nicht, und das ist bedenklich.
Statt nun aber reflexhaft ihren Kopf zu fordern, könnten Beobachter, Kritiker und Kommentatoren den Vorfall als das nehmen, was er ist. Ein volkstümliches und beim Publikum sehr beliebtes Urgestein des deutschen Fernsehens hat sich im Ton vergriffen. Der Sender hat reagiert, und sollte Andrea Kiewel in den kommenden Tagen, spätestens aber bei der nächsten Ausstrahlung am kommenden Sonntag, etwas weniger lange in der Sonne stehen, dann äußert sie vielleicht noch etwas weniger generisch ihr Bedauern und macht deutlich: Ja, ich habe das verstanden, das war eine Dummheit und für manche auch nachgewiesenermaßen eine Beleidigung. Ich will daraus lernen und Konsequenzen ziehen.
Damit wäre der Rassismus-Debatte deutlich besser gedient
Damit wäre der stetig schwelenden Rassismus-Debatte im Land deutlich besser gedient als damit, eine vielleicht nicht immer tonal sattelfeste, aber grundsätzlich untadelige Fachkraft in Sachen Stimmungsfernsehen jetzt reflexhaft abzusägen.
Denn wem wäre damit gedient? Die rassistische Beleidigung derer, die sie als solche empfinden, wäre auch damit nicht ungeschehen gemacht. Die, die nun Kiewel übelst beschimpfen, als „Rassistin“ abstempeln oder gar ihren Rauswurf fordern werden (so ist ja der gängige Verlauf von Rassismus-Debatten in Deutschland), haben die große Bühne nicht verdient.
Und diejenigen, die beim Thema Rassismus per se sofort abwinken und keiner Minderheit überhaupt das Recht zugestehen wollen, die Verletzung ihrer Gefühle geltend machen zu dürfen (Stichwort: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“), werden umgehend von der „Rassismus-Keule“ schwafeln und ihre imaginäre „Cancel Culture“ beschwören.
Das aber nützt keinem – erst recht nicht dem Diskurs darüber, was alltagsrassistische Verletzungen sind und was nicht. Und den wird es weiter geben – weiter geben müssen. Das hat Kiewels Fehler bewiesen.












