Arztbesuch lieber nicht hinauszögern
Blinddarmentzündung – ab wann Warten gefährlich wird
24.09.2026 – 12:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer Anzeichen einer Blinddarmentzündung bei sich bemerkt, sollte rasch zum Arzt: Unbehandelt droht ein Durchbruch. Ab wann dieses Risiko deutlich steigt, zeigt eine neue Studie.
Ein Durchbruch, medizinisch Perforation genannt, gehört zu den gefürchtetsten Komplikationen einer Blinddarmentzündung. Dabei wird die Wand des entzündeten Wurmfortsatzes undicht oder reißt. Eiter, Flüssigkeit und Bakterien können in die Bauchhöhle gelangen – mit potenziell lebensgefährlichen Folgen.
Um das zu verhindern, sollte eine Blinddarmentzündung möglichst früh ärztlich abgeklärt werden. Doch wie viel Zeit bleibt tatsächlich? Dieser Frage ist ein Forschungsteam der University of Birmingham nachgegangen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass vor allem die ersten 24 Stunden wichtig sind: Je länger es vom Beginn der Beschwerden bis zur ersten chirurgischen Beurteilung dauerte, desto häufiger war der Wurmfortsatz bereits durchgebrochen. Besonders deutlich stieg das Risiko nach mehr als einem Tag an.
Mehr als 45.000 Menschen nahmen teil
Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten von mehr als 45.000 Patienten aus 1.377 Krankenhäusern in 112 Ländern aus. Die zentralen Befunde:
- Bei Patienten, die innerhalb von zwölf Stunden chirurgisch untersucht wurden, lag der Anteil der Durchbrüche bei 22,9 Prozent.
- Nach 24 bis 47 Stunden waren es 33,6 Prozent, nach 48 bis 71 Stunden 41,7 Prozent.
- Bei einer Wartezeit von mindestens 72 Stunden lag der Anteil schließlich bei 48 Prozent.
Einer der leitenden Autoren der Studie, Dmitri Nepogodiev, kommentiert in einer Pressemitteilung: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass Gesundheitssysteme weltweit das Ziel verfolgen sollten, Patienten innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Symptome chirurgisch untersuchen zu lassen, um sowohl die Behandlungsergebnisse als auch die Erfahrungen der Patienten zu verbessern.“
Ist der Wurmfortsatz bereits gerissen, steigt das Risiko für Komplikationen. Zudem fällt der Krankenhausaufenthalt in der Regel länger aus: Teilnehmer mit Durchbruch blieben nach der Operation durchschnittlich rund vier Tage in der Klinik, Teilnehmer ohne Durchbruch zwei Tage.
Langes Warten auf die OP erhöht Risiko nicht
Die Wissenschaftler interessierten sich nicht nur dafür, wie viel Zeit vom Beginn der Beschwerden bis zur ersten chirurgischen Beurteilung verging. Sie untersuchten auch die Zeit danach: also den Zeitraum von dieser ersten Einschätzung bis zum Beginn der Operation.
Dabei zeigte sich: Patienten, die nach der chirurgischen Untersuchung länger auf ihre Operation warteten, hatten nicht häufiger einen Blinddarmdurchbruch. Rechnerisch trat eine Perforation bei ihnen sogar seltener auf.
Das heißt nicht, dass längeres Warten im Krankenhaus vor einem Durchbruch schützt. Wahrscheinlicher ist eine andere Erklärung: Ärzte entscheiden nach der ersten Untersuchung, wie dringend ein Patient operiert werden muss. Wer starke Beschwerden hat oder bei wem sich bereits Anzeichen für einen Durchbruch finden, der kommt meist besonders schnell in den Operationssaal. Patienten mit einem weniger eindeutigen oder zunächst milderen Befund können dagegen noch beobachtet oder weiter untersucht werden – und warten deshalb länger.












