Das sagt die Wissenschaft
Was sehen blinde Menschen in ihren Träumen?
Aktualisiert am 14.05.2026 – 08:13 UhrLesedauer: 2 Min.

Träume sind ein fester Bestandteil unseres Schlafs. Doch was passiert bei Menschen, die nicht sehen können – erleben sie Träume anders?
Träume entstehen während bestimmter Schlafphasen, vor allem im sogenannten REM-Schlaf (Rapid Eye Movement). In dieser Phase ist das Gehirn besonders aktiv, verarbeitet Eindrücke und baut neue Verknüpfungen auf. Dass auch blinde Menschen träumen, gilt als gesichert. Doch die Inhalte ihrer Träume unterscheiden sich, abhängig davon, ob die Blindheit seit Geburt besteht oder erst später im Leben eingetreten ist.
Unterschied zwischen angeborener und erworbener Blindheit
Menschen, die im Laufe ihres Lebens erblindet sind, berichten weiterhin von visuellen Traumerlebnissen, oft noch Jahre nach dem Verlust ihres Sehvermögens. Das Gehirn greift in den Träumen auf gespeicherte visuelle Eindrücke zurück.
Wer dagegen von Geburt an blind ist, träumt ohne Bilder. Träume der Betroffenen bestehen aus anderen Sinneseindrücken: Sie hören Stimmen, spüren Berührungen, riechen oder schmecken etwas. Studien zeigen, dass vor allem akustische Elemente in ihren Träumen deutlich stärker ausgeprägt sind.
Emotionen und Inhalte ähneln sich
Auch wenn die Art der Wahrnehmung unterschiedlich ist, ähneln sich die Grundthemen der Träume stark. Freude, Angst, Nähe, Verlust – die Bandbreite menschlicher Gefühle findet sich auch bei blinden Menschen im Traumleben wieder. Untersuchungen haben ergeben, dass sowohl Sehende als auch Blinde häufig von Alltagssituationen, Beziehungen oder Ängsten träumen.
Interessanterweise berichten blinde Menschen öfter von Albträumen. Forscher vermuten, dass dies mit den besonderen Herausforderungen des Alltags zusammenhängt, etwa erhöhter Abhängigkeit von der Umgebung oder erlebter Unsicherheit.
- Entschlüsselt: Warum sich manche an Träume erinnern – und andere nicht
Warum Träume wichtig sind
Träume haben für alle Menschen ähnliche Funktionen: Sie helfen bei der Verarbeitung von Gefühlen, beim Abspeichern von Erinnerungen und beim Lernen. Der REM-Schlaf gilt als entscheidend für die emotionale Stabilität.
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Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei blinden Menschen die Gehirnareale, die normalerweise für das Sehen zuständig sind, stärker auf andere Sinneseindrücke reagieren. Dieses sogenannte neuronale Umstrukturieren zeigt sich auch im Traum: Das Gehirn nutzt freie Kapazitäten, um Hören, Fühlen oder Riechen intensiver zu verarbeiten.
Fazit
Ja, blinde Menschen träumen – genauso wie Sehende. Wer später erblindet, kann weiterhin Bilder im Traum sehen. Menschen, die von Geburt an blind sind, erleben Träume dagegen über andere Sinne. Inhaltlich unterscheiden sich die Träume kaum: Liebe, Angst, Freude oder Stress spielen bei den meisten Menschen eine Rolle.












