Faktencheck
Was das Hantavirus von der Corona-Pandemie unterscheidet
Aktualisiert am 13.05.2026 – 14:19 UhrLesedauer: 3 Min.
Nach mehreren Hantavirus-Infektionen auf einem Kreuzfahrtschiff sehen manche in sozialen Netzwerken den Ausbruch einer neuen Pandemie. Warum der Vergleich mit Corona jedoch nicht passt.
Mehrere Hantavirus-Infektionen auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff haben weltweit Besorgnis ausgelöst – und Erinnerungen an die Corona-Pandemie geweckt. Vor allem in sozialen Netzwerken wird das aktuelle Virus mit dem Covid-19-Erreger verglichen. Fachleute betonen jedoch, dass sich beide Situationen deutlich unterscheiden – insbesondere bei der Übertragbarkeit und dem Risiko für die Allgemeinbevölkerung.
Kann das Hantavirus wie Sars-CoV-2 eine Pandemie auslösen?
In sozialen Netzwerken wird behauptet, das Hantavirus „könnte eine Pandemie auslösen, die viel tödlicher ist als Covid“. Fachleute teilen diese Sorge nicht. Das Virus sei nicht mit dem Covid-Erreger Sars-CoV-2 oder mit Influenza vergleichbar, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.
Zwar gelten bestimmte Hantavirus-Erkrankungen als vergleichsweise schwer und potenziell lebensbedrohlich, doch eine hohe Sterblichkeit allein führt nicht zu einer Pandemie. Entscheidend ist, wie leicht sich ein Erreger verbreitet – und die Übertragbarkeit ist hier wesentlich geringer als bei Sars-CoV-2. Das auf dem Kreuzfahrtschiff zirkulierende Andesvirus ist nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC der einzige bekannte Vertreter der Hantaviren, der überhaupt zwischen Menschen übertragbar ist.
Wie hoch ist die Sterberate bei Hantaviren?
Die Fallsterblichkeit beim Andes-Virus ist dem Virologen Schmidt-Chanasit zufolge hoch, je nach Ausbruch liege sie meist zwischen 20 und 40 Prozent. Die unterschiedlichen Sterblichkeitsraten hängen unter anderem davon ab, ob sich vorrangig bereits geschwächte Patienten infizieren oder wie die Versorgungssituation vor Ort ist. Laut Schmidt-Chanasit sind auch einzelne Andes-Ausbrüche mit bis zu 50 Prozent Sterblichkeit dokumentiert.
Doch anders als beim Coronavirus gebe es keine schnelle und breite Weitergabe durch viele asymptomatisch Infizierte, betont der Virologe Schmidt-Chanasit. Die ECDC stuft das Risiko für die allgemeine Bevölkerung deshalb als „sehr gering“ ein. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Entwarnung.

Andesvirus-Infektionen von Mensch zu Mensch sind laut ECDC „selten und erfordern meist längeren engen Kontakt, oft in geschlossenen Räumen“. Das bedeutet auch: Selbst, wenn mehrere Fälle auftreten, entsteht daraus keine Dynamik wie bei Covid-19.
Darauf deutet auch der sogenannte R-Wert hin – also die durchschnittliche Anzahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt. Eine Studie im renommierten „New England Journal of Medicine“ zu einem Ausbruch in Argentinien Ende 2018 zeigt, dass der damalige – ohnehin niedrige – Wert nach einfachen Isolationsmaßnahmen schnell sank. Der Ausbruch mit insgesamt 34 bestätigten Infektionen wurde schnell eingedämmt. Auch Schmidt-Chanasit betont, man habe „bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht“.
Die Corona-Pandemie zeigte dagegen eine völlig andere Dynamik: In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) allein in den Jahren 2020 bis 2022 mehr als 37 Millionen bestätigte Sars-CoV-2-Infektionen.
Ist das Hantavirus eine Nebenwirkung der Covid-Impfung?
In sozialen Netzwerken kursieren Behauptungen, es gebe einen Zusammenhang der Andesvirus-Fälle mit der Covid-Impfung von Pfizer und Biontech. Diese könne angeblich Hantavirus-Lungeninfektionen auslösen oder enthalte sogar den Erreger selbst, wird behauptet.












