Verluste, Schulden und ein Herzinfarkt
1996 spitzt sich die Situation zu: Die Drogeriemärkte machen nach Roßmanns Angaben in diesem Jahr umgerechnet rund sechs Millionen Euro Verlust. Nach außen wächst das Unternehmen weiter, hinter den Kulissen stehen den hohen Schulden jedoch nur geringe Gewinne gegenüber.
Auch gesundheitlich trifft Roßmann das Krisenjahr schwer. Mit 50 Jahren erleidet er einen Herzinfarkt. Das Unternehmen steht vor dem Konkurs. Er habe zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, ob Rossmann überhaupt überleben könne, sagt der Unternehmer später.
Ein 20-seitiger Brief an die Banken
In dieser Lage schreibt Roßmann den 20 Banken, die sein Unternehmen finanzieren. Auf den ersten zehn Seiten legt er offen, welche Fehler er gemacht hat. Auf den folgenden zehn Seiten erklärt er, was er künftig besser machen will.
Der Schritt zeigt Wirkung: 17 Banken verlängern ihre Kredite. Nach Roßmanns Darstellung arbeitet die Firma bereits im folgenden Jahr wieder profitabel. 1997 signalisieren die Banken zudem, dass sie seine Börsengeschäfte nicht länger mittragen. Roßmann verkauft daraufhin sämtliche Aktien und konzentriert sich wieder auf die Drogeriemärkte.
Eine wichtige Idee kommt von seiner Frau
Neben der Konzentration auf das Kerngeschäft verändert Rossmann auch sein Sortiment. Im BR beschreibt Roßmann später, wie das Unternehmen gegen Ende der 1990er-Jahre sein Konzept grundlegend umstellt: Eigenmarken kommen hinzu, außerdem die „Rossmann Ideenwelt“ mit wechselnden Haushalts-, Küchen- und Dekorationsartikeln.
Die Idee zur „Ideenwelt“ stammt von Roßmanns Frau Alice. Im Interview mit der „Zeit“ bezeichnet er sie als von Anfang an äußerst erfolgreich. Eigenmarken und „Ideenwelt“ werden damit zu wichtigen Bestandteilen der Neuausrichtung.
Die finanzielle Abhängigkeit von den Banken verschwindet allerdings nicht sofort. Nach Roßmanns Angaben kommt ab 2003/2004 der Wendepunkt, von da an kann das Unternehmen seine Kredite abbauen.
Die Krise verändert Roßmann
Aus der Krise zieht Roßmann eine Lehre, die er auch seinen Söhnen mitgibt: Sie sollten darauf achten, nicht von Banken abhängig zu werden. Rückblickend sei für ihn nicht entscheidend gewesen, ob das Unternehmen eine, fünf oder acht Milliarden Euro Umsatz gemacht habe. Wichtiger sei ihm das Gefühl gewesen, dass die Firma endlich stabil dastehe.











