Die letzten Eindrücke vor dem Tod
Das passiert mit uns, wenn wir sterben
Aktualisiert am 01.07.2026 – 07:29 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Atmung setzt aus, das Herz hört auf zu schlagen. Was uns in diesen letzten Augenblicken durch den Kopf geht, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen.
Die Frage, was nach dem Tod passiert, beschäftigt die Menschheit schon immer. Eine ganze Reihe von Menschen, die bereits klinisch tot waren, aber wiederbelebt werden konnten, haben geschildert, welche Eindrücke sie in diesem kritischen Moment hatten. Auffallend ist, dass sich diese Nahtod-Erlebnisse stark ähneln. Demnach haben sich viele der Patienten leicht und schmerzfrei oder gar euphorisch gefühlt, einige hatten sogar das Gefühl, ihren Körper verlassen zu haben.
Andere berichten, sie seien durch einen Tunnel gegangen, an dessen Ende ein helles Licht zu sehen gewesen sei. Manche sahen Szenen aus ihrem Leben wie in einem Film vorbeirauschen.
Was passiert, wenn ein Mensch stirbt
Wissenschaftler der New York University Langone School of Medicine haben erforscht, was geschieht, nachdem der Tod eingetreten ist, und ob das Bewusstsein auch nach dem Tod noch weiterarbeitet. Sie untersuchten über ein Jahrzehnt lang Patienten aus Europa und den USA, die an einem plötzlichen Herzstillstand gestorben waren. Anders als beim Herzinfarkt hört das Herz dabei sofort auf zu schlagen.
Dr. Sam Parnia, der Leiter der Studie, erklärte im US-amerikanischen Wissenschaftsmagazin „LiveScience“, dass der Prozess, in dem alle Reflexe absterben, wie etwa der Würgereflex oder der Pupillenreflex, jedoch noch Stunden andauern kann, nachdem das Herz aufgehört hat zu schlagen, ebenso wie Gehirnzellen nach und nach absterben.
Das bedeutet: Das Bewusstsein arbeitet noch, wenn wir eigentlich schon tot sind. Der Körper ist also gewissermaßen vor dem Geist tot. „Falls es vergebliche Rettungsmaßnahmen gegeben hat, kann das kleine bisschen Blut, das das Hirn erreicht hat, den Zelltod verlangsamen“, sagt Parnia.
Sterben ist ein Prozess
Sterben ist deshalb kein abruptes Ende, sondern ein Prozess, in dem der Körper verschiedene Phasen durchläuft, berichten Neurobiologen und Hirnforscher. Wenn das Herz aufgehört hat zu schlagen, bricht die Blutversorgung der Organe zusammen. Damit erhalten die Körperzellen keinen Sauerstoff sowie keine Nährstoffe und Zuckermoleküle mehr. Die Organe beginnen, nacheinander abzusterben.
In diesem Prozess spielt das Gehirn eine ganz besondere Rolle: Unser Denkapparat benötigt – vereinfacht gesagt – große Mengen an Sauerstoff und Zuckermolekülen, um einwandfrei arbeiten zu können. Seine Stoffwechselaktivität ist pro Volumen rund zehnmal höher als die des gesamten übrigen Körpers und bei starker Hirnaktivität steigt der Bedarf an Sauerstoff und Zucker sogar noch weiter an.
Die Großhirnrinde als Sitz des Bewusstseins benötigt dabei den größten Anteil an Energie. Wenn das Herz kein Blut mehr durch den Körper pumpt und dadurch die Versorgung des Gehirns zusammenbricht, so ist die Großhirnrinde davon zuerst betroffen. Das kann zu Bewusstseinsveränderungen, Halluzinationen oder sensorischen Ausfällen und schließlich zur Bewusstlosigkeit führen.












