Zweimal ist Jamal Musiala innerhalb weniger Tage unerwartet gestürzt. Später spricht er von Absencen. Neurologe Peter Berlit erklärt, warum die Stürze Fragen aufwerfen und was die Diagnose für Musialas Karriere bedeuten könnte.
Es sind Bilder, die seine Fans schockierten: Jamal Musiala sackt während des Spiels plötzlich auf dem Rasen zusammen – und das gleich zweimal innerhalb von nur drei Tagen. Nach den Partien lieferte der 23-Jährige auf Instagram selbst eine Erklärung: Es seien „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen“ bei ihm festgestellt worden.
Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Form epileptischer Anfälle. Während einer Absence ist das Bewusstsein für wenige Sekunden beeinträchtigt. Betroffene reagieren dann kaum oder gar nicht auf ihre Umgebung. Meist bleibt lediglich eine Erinnerungslücke. Was genau bei einer Absence im Körper geschieht, erfahren Sie hier. Peter Berlit, Neurologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, erklärt, an welchem Punkt die Diagnose nicht zu den Vorfällen passt und was eine solche Erkrankung für einen Profisportler tatsächlich bedeuten würde.
t-online: Herr Berlit, passen plötzliche Stürze wie die von Jamal Musiala während eines Spiels zur Diagnose Absence?
Peter Berlit: Nein. Das ist nicht typisch. Eine typische Absence geht mit einer Art kurzem Filmriss einher: Für wenige Sekunden ist die Person nicht ansprechbar und reagiert nicht. Bei manchen Betroffenen treten leichte körperliche Reaktionen auf, zum Beispiel können sich die Augen nach oben verdrehen. Stürze gehören aber nicht dazu.
Könnte ein Sturz dann auf eine andere Form der Epilepsie hindeuten?
Das wäre rein spekulativ. Man kann und sollte hier keine Ferndiagnose stellen. Ob er sich beispielsweise selbst hat fallen lassen oder was genau passiert ist, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen.
Wie gefährlich können solche kurzen Aussetzer im Profifußball werden?
Wenn man während eines Mannschaftssports für drei Sekunden einen Aussetzer hat, kann das zu Verletzungen führen, etwa durch eine Kollision mit anderen Spielern. Das ist sicherlich ein mögliches Risiko.
Absence-Epilepsien treten vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf. Wie kann es sein, dass solche Attacken erst im Erwachsenenalter bekannt werden?
Absencen treten typischerweise erstmals im Kindesalter auf, vor allem im Schulalter. Die Aussetzer dauern nur wenige Sekunden und werden von den Betroffenen selbst häufig gar nicht bemerkt. Bei Kindern fällt beispielsweise in der Schule eher auf, dass sie für einen Moment nicht präsent sind, eine Frage nicht mitbekommen und deshalb nicht antworten können. Es kann also sein, dass jemand solche Absencen schon länger hat und sie erst später auffallen.
Warum könnten die Attacken erst jetzt auffallen?
Wir wissen, dass Hyperventilation, also tiefes Ein- und Ausatmen, solche Attacken triggern kann. Es kann aber sein, dass die Absencen unter sportlicher Belastung bislang einfach nicht aufgetreten oder nicht aufgefallen sind. Auch äußere Faktoren wie Stress können eine Rolle spielen. Solche Faktoren könnten dazu beitragen, dass sich Absencen während eines Spiels manifestieren.
Ist man nach einer Absence direkt voll leistungsfähig?
Eine Absence führt tatsächlich nur zu diesem kurzen Filmriss. Danach ist man körperlich wieder komplett leistungsfähig. Entscheidend ist aber, die Erkrankung zu behandeln und dafür zu sorgen, dass diese Attacken nicht mehr auftreten.











