Weltweites Phänomen
Warum überall mehr Männer als Frauen Tuberkulose haben
19.08.2026 – 16:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Weltweit – auch in Deutschland – erkranken überwiegend Männer an Tuberkulose. Eine neue Studie liefert dafür nun eine Erklärung.
Etwa zwei Drittel aller diagnostizierten Fälle von Tuberkulose betreffen Männer. Dass sie grundsätzlich anfälliger für die Erkrankung sind, scheint jedoch nicht der Grund zu sein: Eine kürzlich im Fachjournal „eClinicalMedicine“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass Männer im Laufe ihres Lebens öfter mit an Tuberkulose Erkrankten in Kontakt kommen und sich daher eher anstecken.
Gut zu wissen
Tuberkulose (TB) ist in vielen Regionen der Erde deutlich stärker verbreitet als in Deutschland: Im Jahr 2024 wurden hierzulande 4.391 Tuberkulosefälle gemeldet. Drei Viertel der Betroffenen hatten eine Lungentuberkulose, die meist ansteckend ist. Die Übertragung erfolgt dann für gewöhnlich über die Luft durch das Einatmen erregerhaltiger Partikel, die Erkrankte etwa beim Husten, Niesen oder Sprechen ausstoßen.
Daten von über 22.000 Personen ausgewertet
Für die Untersuchung wertete ein Forschungsteam Daten aus 11 Studien mit mehr als 22.000 Menschen aus 14 Ländern in Europa, Afrika, Asien und Südamerika aus. Dabei stellte sich heraus, dass die teilnehmenden Männer zu Beginn der Studien bereits häufiger mit Tuberkulose infiziert waren.
Nachdem das Team diesen Umstand berücksichtigt hatte, ergab sich im Studienverlauf jedoch kein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Sowohl unter den bereits Infizierten als auch unter den nicht Infizierten erkrankten Männer und Frauen im Beobachtungszeitraum ähnlich häufig an Tuberkulose.
Kein Hinweis auf höhere Krankheitsanfälligkeit
Demnach scheint der Hauptgrund für die unterschiedlichen Erkrankungsraten zu sein, dass Männer öfter einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind – und nicht, dass sie nach einer Infektion aufgrund einer besonderen biologischen Anfälligkeit eher eine Tuberkulose entwickeln.
Laut Yohhei Hamada, Co-Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am University College London, legen die Ergebnisse vor allem eines nahe: dass es wichtig wäre, das Ausgesetztsein von Männern gegenüber Tuberkulose zu verringern. Denn dies könnte „stärker dazu beitragen, den Unterschied zwischen Männern und Frauen zu verkleinern, als Strategien, die ausschließlich das Fortschreiten einer Infektion zur Erkrankung verhindern sollen“, wie er erklärte.
Die Gründe dahinter bleiben unklar
Warum Männer häufiger Situationen ausgesetzt sind, in denen es zur Übertragung von Tuberkulose kommen kann, ist allerdings noch nicht geklärt. Das Forschungsteam vermutet, dass unter anderem Arbeitsbedingungen, die soziale Umgebung, der Lebensstil und der Zugang zur Gesundheitsversorgung eine Rolle spielen könnten.
Die zentrale offene Frage lautet daher: Aus welchen Gründen kommen Männer eher mit den Erregern der Tuberkulose in Kontakt? Genau das sollen nun weitere Studien klären, um wirksame Strategien zur Infektionsvermeidung entwickeln zu können.











