Für bestimmte Berufsgruppen
Stiko gibt erstmals Impfempfehlung gegen Vogelgrippe
21.10.2026 – 16:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Vogelgrippeviren breiten sich unter Wildvögeln, Geflügel und Säugetieren aus. Die Stiko empfiehlt deshalb erstmals bestimmten Berufsgruppen eine gezielte Impfung.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) reagiert auf die zunehmende Verbreitung von Vogelgrippeviren. Sie empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Influenza A(H5) für Menschen, die aus beruflichen Gründen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
Die Empfehlung richtet sich an Personen, die gezielt mit A(H5)-Viren arbeiten oder an der Bekämpfung von Tierseuchen und Ausbrüchen mitwirken. Dazu kann etwa Personal gehören, das im Labor mit den Erregern arbeitet oder bei einem Ausbruch direkten Kontakt zu infizierten Tieren und deren Umgebung hat, etwa Mitarbeiter von Veterinärämtern.
Insgesamt stufen das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und das Robert Koch-Institut (RKI) das Infektionsrisiko für beruflich exponierte Personen bisher allerdings nur als gering bis moderat ein.
Warum die Stiko jetzt zur Impfung rät
Das Problem: Inzwischen zirkulieren A(H5)-Viren nicht mehr nur unter Wildvögeln. Sie haben sich auch in Geflügelbeständen und bei einer wachsenden Zahl von Säugetierarten wie Rotfüchsen, Waschbären und Hauskatzen etabliert. Im Winterhalbjahr 2025/26 gab es in allen deutschen Bundesländern A(H5)-Nachweise bei Wildvögeln und Geflügel.
Der regelmäßige Kontakt zu infizierten Tieren oder zu einer verunreinigten Umgebung kann das Risiko einer Übertragung auf den Menschen erhöhen. Betroffen waren bisher meist Personen, die beruflich direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder deren Umgebung hatten. In Deutschland ist bislang keine Infektion mit einem zoonotischen A(H5)-Virus beim Menschen bekannt. „Zoonotisch“ bedeutet, dass ein Erreger vom Tier auf den Menschen überspringen kann. Welche Symptome die Vogelgrippe auslöst, erfahren Sie hier.
Die neue Empfehlung folgt Beschlüssen der globalen Impfkommission (SAGE) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom September 2025 und einer darauf aufbauenden Empfehlung des ECDC vom Dezember 2025.
Noch keine Pandemiegefahr, aber ein Risiko
Derzeit sieht die Stiko keinen Hinweis auf ein erhöhtes Pandemiepotenzial der zirkulierenden A(H5)-Viren. Sie warnt jedoch vor dem Risiko, dass sich die Viren bei Infektionen des Menschen weiter anpassen und dadurch dauerhaft von Mensch zu Mensch übertragen werden könnten. Die Impfung soll deshalb besonders gefährdete Menschen schützen und zugleich das Risiko solcher Anpassungen senken.
Der Virologe Klaus Stöhr hatte im Zuge der Ausbreitung der Vogelgrippe im vergangenen Jahr bereits vor einer Pandemie gewarnt. „Prinzipiell hat das H5N1-Virus alles, um eine Pandemie auszulösen“, sagte der langjährige Leiter des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation damals. Er mahnte daher, sich gut auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten.
Ein Impfstoff derzeit empfohlen
Für die breite Bevölkerung empfiehlt die Stiko die Impfung gegen Vogelgrippe derzeit nicht. Die betroffenen Berufsgruppen sollen hingegen einen in Deutschland zugelassenen Impfstoff erhalten.
Zudem soll der Impfstoff laut Stiko zu dem Virusstamm passen, der gerade zirkuliert. Momentan erfüllt nur der Zoonotic Influenza Vaccine Seqirus diese Voraussetzung. Er ist als einziger der drei zugelassenen A(H5)-Impfstoffe auf die in Europa zirkulierende Virusgruppe abgestimmt. Aflunov und Celldemic beruhen dagegen auf einem älteren Virusstamm und müssten zunächst angepasst werden.












