„Alles daran ist falsch“
SPD zerlegt Albigs AfD-Vorstoß
23.05.2026 – 14:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Ex-Ministerpräsident Torsten Albig legt seiner Partei nahe, eine Zusammenarbeit mit der AfD zu überdenken. Aus der SPD kommt deutliche Kritik.
SPD-Landespolitiker aus mehreren Bundesländern haben den Vorstoß von Ex-Ministerpräsident Torsten Albig für eine Zusammenarbeit mit der AfD deutlich zurückgewiesen. Albig erklärte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), die SPD solle sich auch auf Minderheitsregierungen einlassen, die von der AfD toleriert werden.
„Ich weiß nicht, was ihn da reitet. Alles daran ist falsch und verheerend“, sagt Jochen Ott, Fraktionschef SPD in Nordrhein-Westfalen zu „Bild“. Für Sozialdemokraten könne es mit den ideologischen Nachfahren einer Partei, die die SPD verfolgt hat, keine Zusammenarbeit geben. „Der Feind steht rechts.“
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Auch aus Mecklenburg-Vorpommern kommen deutliche Worte: „Wer Lobbyist für Tabakkonzerne ist, hat offenbar kein Problem damit, für giftige Ideen zu werben“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns (MV) SPD-Fraktionschef Julian Barlen der „Bild“. Barlen meinte weiter, sein Landesverband brauche „keine Ratschläge von jemandem, der die Politik vor Jahren verlassen hat, sondern eine stabile Regierung mit klarer Haltung.“
Albig hatte die SPD in MV als Beispiel angeführt. Konkret könne er sich vorstellen, dass Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nach der nächsten Landtagswahl erklärt: „Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach Thema“, meinte der SPD-Politiker.
Ralf Stegner zeigt Verständnis
Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte, es gebe keinen gemeinsamen Nenner zwischen seiner Partei und der AfD. „Die AfD steht im absoluten Widerspruch zu allem, wofür wir als SPD seit Jahrzehnten arbeiten.“
Nur Ralf Stegner erklärte in der „Bild“ einem Teil der Analyse zuzustimmen. „Richtig ist, dass die Brandmauer das Feuer dahinter nicht löscht und Wähler, die von der SPD zur AfD gewechselt sind, nicht plötzlich zu Nazis mutiert sind.“ Dennoch würde er daraus nicht den Schluss ziehen, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Die Brandmauer verhindere, dass sich das Feuer ausbreitet und zum Flächenbrand wird. „Deshalb macht sich der Beihilfe zur Brandstiftung schuldig, wer die Brandmauer aktiv einreißen will.“
Albig war von 2009 bis 2012 Oberbürgermeister von Kiel und anschließend bis 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nach einer verlorenen Landtagswahl zog er sich aus der Politik zurück. Es folgten leitende Funktionen bei der Deutschen Post DHL und beim Bundesverband Deutscher Postdienstleister, bevor er 2023 als Lobbyist zum Tabakkonzern Philip Morris wechselte.












