Neue Studie

Forscher entdecken möglichen Auslöser für Darmentzündungen


07.11.2026 – 09:58 UhrLesedauer: 2 Min.

Morbus Crohn löst bei vielen Patienten starke Bauchschmerzen aus. (Quelle: ipopba/getty-images-bilder)

Millionen Menschen leiden an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Warum ihr Immunsystem den Darm angreift, war bislang nicht vollständig geklärt – nun liefert eine Studie aus Oxford einen neuen Hinweis.

Wissenschaftler aus Großbritannien haben einen möglichen Mechanismus entdeckt, der chronisch-entzündliche Darmerkrankungen auslösen kann. Das berichtet die „Pharmazeutische Zeitung“ und beruft sich dabei auf einen Bericht im Fachjournal „The New England Journal of Medicine“. Die Forschenden von der Universität Oxford fanden heraus, dass bestimmte Antikörper demnach einen körpereigenen Botenstoff (Interleukin-10 (IL-10)) blockieren, der Entzündungen normalerweise eindämmt.

Was steckt hinter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen führen zu wiederkehrenden oder dauerhaften Entzündungen im Verdauungstrakt. Die bekanntesten Erkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die ersten Beschwerden treten oft schon in jungen Jahren auf. Trotz verschiedener Behandlungsmöglichkeiten wie entzündungshemmender Medikamente, Operationen und Ernährungsumstellungen leiden Betroffene teilweise ihr Leben lang unter den Symptomen und den Folgen.

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankungen spielt das Immunsystem. Normalerweise sorgen Regulationsmechanismen dafür, dass Immunreaktionen im Darm nicht übermäßig stark ausfallen. Dabei übernimmt der Botenstoff Interleukin-10 (IL-10) eine wichtige Funktion: Er bremst entzündungsfördernde Zellen und drosselt die Produktion weiterer entzündungsfördernder Stoffe.

Bereits vor der neuen Studie war bekannt, dass genetische Defekte im IL-10-Signalweg schwere Darmentzündungen verursachen können. Betroffene entwickeln häufig schon im Säuglingsalter besonders schwere Formen der Erkrankung. Zudem fanden frühere Untersuchungen bei Kindern mit früh einsetzender Darmentzündung Antikörper, die IL-10 neutralisieren, also außer Kraft setzen. Ob solche Antikörper auch bei einer größeren Gruppe von Erkrankten vorkommen, blieb jedoch offen.

Neutralisierende Antikörper nachweisbar

Die Studie zeigt nun, dass diese neutralisierenden Antikörper bei einem Teil der Betroffenen nachweisbar sind. Da IL-10 seine entzündungshemmende Wirkung dadurch nicht mehr ausreichend entfalten kann, könnten Entzündungsreaktionen im Darm verstärkt ablaufen. Die Forschenden sehen darin einen möglichen Ansatzpunkt für neue Diagnose- und Behandlungsmethoden.

Gen steuert Immunproteine

Ebenfalls Teil der Forschung ist die Genvariation HLA-DRB1*01:03. Sie gilt seit rund 30 Jahren als genetischer Risikofaktor für bestimmte Darmentzündungen. Die Variation betrifft ein Gen, das für einen Bestandteil von Immunproteinen zuständig ist. Diese Proteine präsentieren Bestandteile von Fremdstoffen auf der Zelloberfläche und ermöglichen so deren Erkennung durch Immunzellen. Bisher war jedoch noch nicht ganz klar, wie die Genvariation das Erkrankungsrisiko beeinflusst.

Aus diesem Grund untersuchten die Wissenschaftler rund 4.900 CED-Patienten daraufhin, wie oft neutralisierende Antikörper gegen IL-10 auftreten. Zudem analysierten sie einen möglichen Zusammenhang zwischen den Antikörpern und der Genvariante HLA-DRB1*01:03. Rund 1.000 gesunde Personen stellten die Kontrollgruppe dar.

Das Ergebnis: Während in der Kontrollgruppe keine neutralisierenden Antikörper gegen IL-10 auftraten, ließen sich diese bei 3,5 Prozent der Patienten in der Versuchsgruppe nachweisen. Darüber hinaus entdeckten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen den IL-10-neutralisierenden Antikörpern und der Genvariante HLA-DRB1*01:03: Bei Menschen, die diese Variante tragen, ließen sich die Antikörper wesentlich häufiger nachweisen. Die Forscher könnten damit einen möglichen Mechanismus identifiziert haben, der erklärt, wie diese Genvariante zur Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beiträgt.

Angesichts der Ergebnisse vermuten die Wissenschaftler rund um Dr. Nima Gharahdaghi und Professor Dr. Holm Uhlig, dass mithilfe der Antikörper ein Bluttest entwickelt werden kann, mit dem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen identifiziert werden können.

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