Aggressiver Brustkrebs

Diese Stoffe könnten das Risiko für Frauen erhöhen


06.11.2026 – 17:35 UhrLesedauer: 2 Min.

Gespräch zwischen Ärztin und Patientin (Symbolbild): Etwa 13 von 100 Frauen erhalten im Laufe ihres Lebens eine Brustkrebsdiagnose. (Quelle: SDI Productions/getty-images-bilder)

Ewigkeitschemikalien reichern sich auch im Menschen immer weiter an. Wie problematisch das sein kann, deutet nun eine weitere Studie an.

Eine große US-Studie hat ergeben: Frauen, in deren Blut zwei bestimmte Ewigkeitschemikalien in erhöhter Konzentration vorliegen, erkranken häufiger an Östrogenrezeptor-negativem Brustkrebs. Ein solcher Tumor ist in der Regel aggressiver und schwerer behandelbar als die häufigere Form von Brustkrebs. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Oncology“.

Schon gewusst?

Mit Ewigkeitschemikalien sind Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) gemeint. Das sind künstlich hergestellte Stoffe, die in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt wurden und werden. Dazu gehören Koch-, Back- und Bratgeschirr, beschichtete Lebensmittelverpackungen und Kaffeebecher, imprägnierte Textilien, Kleidung, Polster und Teppiche, Kältemittel sowie Löschschäume. Da PFAS nicht biologisch abbaubar sind, belasten sie zunehmend Boden, Gewässer, Tier und Mensch.

Brustkrebsrisiko im Fokus

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die Belastung durch bestimmte PFAS mit verschiedenen Krebsarten verbunden ist. Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat zwei dieser Substanzen entsprechend eingestuft: Danach gilt Perfluoroktansäure (PFOA) als krebserregend und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) als möglicherweise krebserregend. Wissenschaftliche Belege für einen Zusammenhang zwischen PFAS und Brustkrebs sind jedoch nach wie vor begrenzt.

Daher analysierte ein Forschungsteam in den USA Daten und Blutproben von Teilnehmerinnen der Sister Study: Diese Langzeitstudie umfasst mehr als 50.000 Frauen im Alter von 35 bis 74 Jahren aus den USA und Puerto Rico, die zu Beginn der Studie frei von Brustkrebs waren. Allerdings hatte jede Teilnehmerin eine Schwester oder Halbschwester, die bereits an Brustkrebs erkrankt war.

Für seine aktuelle Untersuchung berücksichtigte das Forschungsteam 1.609 Frauen, die im Verlauf der Sister Study an Brustkrebs erkrankt waren, sowie 2.269 weitere Frauen ohne Brustkrebserkrankung. Im Blut aller Teilnehmerinnen bestimmte es die Konzentration von 17 verschiedenen PFAS. Die Blutproben waren bereits Jahre vor einer (möglichen) Krebsdiagnose abgegeben worden.

Höhere Werte, mehr Erkrankungen

Die Auswertung offenbarte einen besonders deutlichen Zusammenhang zwischen PFOA beziehungsweise PFOS und dem Risiko für Östrogenrezeptor-negativen Brustkrebs. Frauen mit den höchsten PFOA-Werten im Blut erkrankten im Vergleich zu Frauen mit den niedrigsten Werten um 67 Prozent häufiger an dieser Tumorform. Bei PFOS war die Erkrankungsrate sogar um 93 Prozent höher.

Für das Brustkrebsrisiko insgesamt ergab sich hingegen kein eindeutiger Zusammenhang mit diesen beiden PFAS. Das spricht dafür, dass die Chemikalien möglicherweise nicht alle Brustkrebsformen in gleicher Weise beeinflussen.

Warum die Ergebnisse bedeutsam sind

Bei vielen Frauen mit Brustkrebs regt das weibliche Geschlechtshormon Östrogen das Tumorwachstum an. Fachleute sprechen dann von Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs, da die Krebszellen Bindestellen (Rezeptoren) für Östrogen besitzen. In solchen Fällen kann eine Antihormontherapie die wachstumsfördernde Wirkung von Östrogen verhindern und so die Krebsbehandlung sinnvoll ergänzen.

Bei Östrogenrezeptor-negativem Brustkrebs haben die Krebszellen jedoch keine Rezeptoren für Östrogen. Eine Antihormontherapie kann das Wachstum des Tumors daher nicht beeinflussen, was die Behandlung erschwert. Umso wichtiger ist es, das Risiko für diese Krebsform möglichst gering zu halten.

Hier liefert die Studie einen wichtigen Ansatz: Weil sich die Belastung mit PFAS grundsätzlich senken lässt – auch durch das eigene Konsumverhalten –, könnten sich neue Möglichkeiten zur Prävention eröffnen.

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