Verbreiten sich „rasend schnell“

Ärzte warnen vor dubiosen Angeboten


06.11.2026 – 14:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Junge und ältere Frau vor dem Computer (Symbolbild): Ärzte warnen vor immer mehr medizinischen Falschinformationen. (Quelle: IMAGO / Pond5 Images)

Werbung für vermeintliche Wundermittel findet sich immer häufiger in den sozialen Medien. Doch es gibt Wege, betrügerische Angebote zu erkennen.

Ein Abnehmmittel, beworben vom Mediziner und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen – eine Kombination, die zahlreiche Nutzer in den sozialen Medien Anfang des Jahres zum Kauf animierte. Auf das angebliche Wundermittel warteten die Käufer dann allerdings vergeblich. Denn hinter dem vermeintlichen Werbevideo von Hirschhausens steckten Betrüger, die das Video mit dem bekannten Mediziner mittels Künstlicher Intelligenz erzeugt hatten.

Das ist kein Einzelfall. Die Verbreitung medizinischer Falschinformationen – sogenannter Medfakes – verbreite sich „rasend schnell“, warnte Susanne Johna, Bundesvorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. „Das Thema wird immer brennender, immer wichtiger.“

„Medfakes“ gefährden Gesundheit

In den Videos würden vermeintlich bekannte Ärzte Wundermittel anpreisen, mit denen sich alles heilen ließe. Gerade Menschen mit hohem Leidensdruck sind gefährdet, nach diesem Strohhalm zu greifen und könnten im schlimmsten Falle sogar „wirksame Medikamente weglassen und wirksame Therapien abbrechen“, sagte Johna der „Ärztezeitung“.

Menschen, die auf „Medfakes“ hereinfallen, verlieren somit nicht nur ihr Geld, sondern gefährden auch ihre Gesundheit. Gleichzeitig geht das Vertrauen in die Wissenschaft bei vielen Menschen verloren. Eine Richtigstellung der Desinformationen dauere teils sehr lange, betonte Johna. Manchmal sei dies auch gar nicht möglich. „Wissenschaft braucht eben Zeit. Mit Desinformationen Angst schüren und Patienten gefährden, geht sehr schnell.“

Der Marburger Bund will das Thema schwerpunktmäßig auf seiner an diesem Freitag beginnenden Jahreshauptversammlung behandeln. Johna sprach sich bereits für wirksame Bestrafung der Urheber der „Medfakes“ aus. „Sonst werden wir dieser Geschichte nicht Herr.“ Gleichzeitig müsse man die Menschen stärker für dieses Thema sensibilisieren.

So lassen sich falsche Angebote erkennen

Mittels Künstlicher Intelligenz erstellte Videos zu erkennen, ist nicht einfach. Allerdings gibt es manchmal einige Auffälligkeiten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Wirken die Bewegungen unnatürlich oder abgehackt?
  • Sind die Gesichtszüge auffällig starr oder blinzelt der Sprecher oder die Sprecherin selten?
  • Verschwimmen Details wie Haare, Brillenränder oder Zähne?
  • Klingt die Stimme unnatürlich?

Die Videos werden jedoch mit der Zeit immer besser. Auch wenn sie keine Auffälligkeiten enthalten, sind sie noch lange nicht echt. Wer einen Schritt weitergehen möchte, kann einen kostenlosen Deepfake-Check für Audiodateien ausprobieren, der vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit bereitgestellt wird.

Das Redaktionsbüro Medwatch, das sich auf die Aufdeckung gefährlicher und unseriöser Heilsversprechen spezialisiert hat, bietet zudem einen KI-Chatbot an, der irreführende Werbeversprechen prüft. Hierbei handelt es sich bislang nur um einen Prototyp, der sich aktuell nur mit Nahrungsergänzungsmitteln auskennt, die in Deutschland hergestellt werden.

Auch die Verbraucherzentralen können über ihren Fakeshop-Finder dabei helfen, betrügerische Online-Shops, zu denen die Opfer von „Medfakes“ in der Regel gelenkt werden, zu enttarnen. Zudem können auch Ärzte oder Apotheker bei der Beurteilung helfen, ob bestimmte Werbeversprechen realistisch und die entsprechenden Produkte für Sie geeignet sind.

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