Nicht in den offiziellen Empfehlungen
Demenz: Das sagen Experten zu Schlaf und Ernährung
05.11.2026 – 13:11 UhrLesedauer: 3 Min.

Guter Schlaf und die Behandlung von Erkrankungen sind wichtig für die Gesundheit des Gehirns. Doch nicht für jede Maßnahme gibt es Belege, dass sie auch vor Demenz schützt.
Bewegung, ausgewogenes Essen, Grunderkrankungen behandeln lassen und soziale Kontakte pflegen: Wer sein Demenzrisiko senken möchte, kann an vielen Stellen ansetzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Sommer ihre Leitlinie zur Vorbeugung von geistigem Abbau und Demenz aktualisiert.
Doch Empfehlungen zu Schlaf, Nahrungsergänzung, Depressionen oder den Wechseljahren kommen darin nicht vor. Warum eigentlich nicht? Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) erläutert den Wissensstand – warum die WHO zu diesen Faktoren keine Präventionsempfehlung ausspricht.
Schlaf: Wichtig, aber kein belegter Schutz
Zu kurzer, aber auch zu langer Schlaf, häufige Unterbrechungen und Schlafstörungen können mit einem höheren Demenzrisiko zusammenhängen. Die WHO betont deshalb, wie wichtig ausreichender, möglichst ungestörter und erholsamer Schlaf ist – und das über die gesamte Lebenszeit, nicht erst im Alter.
Aber: Eine bestimmte Zahl an Schlafstunden, die vor Demenz schützt, lässt sich laut DGN aus den bisherigen Erkenntnissen nicht ableiten. Ebenso fehlen ausreichende Belege dafür, dass besserer Schlaf oder die Behandlung von Schlafstörungen das Demenzrisiko tatsächlich verringern. Hier braucht es weitere Forschung.
Ernährung: Gesundes Essen statt Nahrungsergänzungsmittel
Die WHO bekräftigt in ihrer neuen Leitlinie die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für die Gesundheit des Gehirns. Laut DGN mehren sich die Belege, dass man mit einer frischen, gemüse- und ballaststoffreichen Ernährung viel erreichen kann. Auf Nahrungsergänzungsmittel könne man diese Empfehlung jedoch nicht ausweiten.
Auch die WHO rät davon ab, Vitamin B, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren oder Multivitamine zur Demenzprävention einzunehmen, solange kein entsprechender Nährstoffmangel vorliegt. Eine ausgewogene Ernährung können solche Präparate nicht ersetzen. Sie können mitunter mehr schaden als nutzen.
Nach einem Schlaganfall besonders aufmerksam sein
Vor allem wiederholte Schlaganfälle erhöhen das Risiko einer späteren Demenz. Auch Verletzungen des Kopfes und Gehirns zählen zu den wichtigen Risikofaktoren für spätere geistige Einschränkungen. Zudem können Infektionen mit dem HI-Virus, kurz HIV, mit Beeinträchtigungen des Denkens einhergehen.
DGN-Experte Özgür Onur erklärt: „Diese Zusammenhänge beobachten wir bereits sehr lange in der Praxis, doch erst seit Kurzem ist bekannt, dass Schlaganfälle zu immunologischen Veränderungen führen, die ganz unterschiedliche Erkrankungen nach sich ziehen können.“
Für spezielle Behandlungen mit dem Ziel, eine Demenz zu verhindern, sieht die WHO hier aber noch Forschungsbedarf. Onur betont dennoch, dass Menschen nach einem Schlaganfall oder mit einer HIV-Infektion ihr erhöhtes Risiko kennen und die Möglichkeiten der Vorbeugung besonders ernst nehmen sollten.
Wechseljahre: Hormone nicht zur Vorbeugung nehmen
Frauen sind häufiger von Demenzerkrankungen betroffen als Männer. Daher untersuchen Forscher zunehmend, ob die hormonellen Veränderungen rund um die Wechseljahre das Demenzrisiko beeinflussen. Es gibt auch erste Hinweise darauf, dass in den Wechseljahren bestimmte Ablagerungen im Gehirn zunehmen. Jedoch sei eine vorbeugende Wirkung einer Hormontherapie bislang nicht nachgewiesen, fasst Onur den aktuellen Wissensstand zusammen.
Für Frauen ab 65 Jahren empfiehlt die WHO daher ausdrücklich keine Hormontherapie zur gezielten Senkung des Demenzrisikos. Für jüngere Frauen, auch bei vorzeitigen Wechseljahren, reichen die wissenschaftlichen Belege weder für eine Empfehlung noch für ein Abraten.
