Werden Händler damit „gläsern“?
Wenn jede Zahlung in der Abrechnung auftaucht, macht das ein Geschäft natürlich gläserner – aber eben auch nachvollziehbarer. Gleichzeitig dürften offiziell ausgewiesene Umsätze und damit auch Steuerzahlungen steigen. „Schwarze Schafe“ wird es immer geben – bar wie digital. Gleichzeitig berichten mir viele Händler, dass Kartenzahlung ihnen die Arbeit erleichtert. Buchhaltung und Belegsuche würden einfacher.
Was war Ihre kurioseste Anfrage?
Ich wurde tatsächlich einmal gefragt, ob man ein EC-Gerät so einstellen kann, dass zwei Konten hinterlegt sind – ein privates und ein geschäftliches. Die Idee war, nicht alle Umsätze auf dem Geschäftskonto erscheinen zu lassen. Da habe ich das Gespräch sofort beendet und gesagt: Vielen Dank, tschüss, ich bin weg.
Da habe ich das Gespräch sofort beendet und gesagt: Vielen Dank, tschüss, ich bin weg.
Martin Damaszek
Wir sind nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet, solche Unregelmäßigkeiten zu melden. Außerdem müssen wir jährlich Zertifikate erneuern – für Visa, Mastercard und die Deutsche Kreditwirtschaft. Wer so etwas ernsthaft anfragt, hat das System nicht verstanden.
Wird durch eine Kartenzahlpflicht alles teurer?
Kurz gesagt: Nein, Händler müssen ihre Preise nicht erhöhen, wenn sie Kartenzahlungen als zusätzliche Option anbieten. Viele Kosten der Bargeldabwicklung entfallen dabei ganz oder teilweise. Zudem steigt die Nachfrage nach Bezahlung mit Karte oder Handy. Das liegt auch daran, dass ein Päckchen Zigaretten im Kiosk beispielsweise nicht mehr nur sechs Euro kostet. Je teurer der Einkauf ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand bar zahlt. Darüber hinaus steigert Kartenzahlung den Service und zieht neue Kunden an. Wer seine Kunden zum Geldautomaten schickt, riskiert, sie zu verlieren. Ich verstehe die Ängste vor Veränderung. Doch ich sehe auch, dass Deutschland bei digitalen Zahlungen lange gezögert hat – selbst beim kontaktlosen Bezahlen. Die Kartenzahlpflicht wird Prozesse vereinfachen, nicht verteuern.











