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Mobilität

Ist 35 die neue 50?

By zeit-heute.deMärz 30, 20263 Mins Read
Ist 35 die neue 50?
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Technik & Service

Unfälle im Straßenverkehr: Ist 35 die neue 50?


Aktualisiert am 30.03.2026 – 03:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Vergrößern des Bildes

Symbolbild eines Autounfalls: Bereits bei Tempo 50 kann ein Unfall erhebliche Folgen haben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Bei Unfällen wird ein hohes Tempo oft mit mehr Gefahr verbunden. Stimmt die Annahme oder ist es umgekehrt?

Unfälle im Straßenverkehr werden häufig mit hoher Geschwindigkeit in Verbindung gebracht. Tatsächlich gelten rund 50 km/h in vielen Tests als klassisches Szenario für Crashversuche. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein Aufprall mit deutlich geringerer Geschwindigkeit nicht automatisch weniger gefährlich ist.

Crashversuche als Grundlage für Sicherheitsbewertungen

Um die Sicherheit moderner Fahrzeuge zu prüfen, werden regelmäßig standardisierte Crashversuche durchgeführt. Ein zentraler Referenzwert ist dabei ein Frontalaufprall mit rund 50 km/h. Dieses Szenario gehört seit vielen Jahren zu den wichtigen Testverfahren des internationalen Sicherheitsprogramms Euro NCAP.

Bei solchen Tests wird ein Fahrzeug gezielt gegen eine Barriere gesteuert. Sensoren in sogenannten Dummys messen dabei die Kräfte, die auf Kopf, Brust oder Beine der Insassen wirken. Anhand dieser Daten lässt sich beurteilen, wie gut die Sicherheitsstruktur des Fahrzeugs und seine Rückhaltesysteme funktionieren.

Für einen Vergleich wurde ein weiterer Versuch mit deutlich geringerer Geschwindigkeit durchgeführt. Dabei prallte ein Fahrzeug mit nur 35 km/h gegen eine deformierbare Barriere, die eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug oder einer Leitplanke simuliert. Als Testmodell kam der Kleinwagen MG3 zum Einsatz.

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Unerwartete Ergebnisse bei geringerer Geschwindigkeit

Die Auswertung der Messdaten brachte ein überraschendes Ergebnis. Beim Aufprall mit 35 km/h waren die Belastungen für die Person auf dem Fahrersitz teilweise höher als beim Vergleichstest mit 50 km/h.

Vor allem im Bereich des Brustkorbs zeigten die Sensoren stärkere Kräfte. Gerade für ältere Menschen kann das problematisch sein, da ihr Körper weniger widerstandsfähig gegenüber solchen Belastungen ist. Für Insassen auf dem Rücksitz zeigte sich dagegen ein teilweise anderes Bild: Dort fiel beispielsweise die Belastung des Kopfes geringer aus als bei der höheren Geschwindigkeit.

Diese Ergebnisse bestätigen Erkenntnisse aus der Unfallforschung, nach denen niedrigere Geschwindigkeiten nicht automatisch zu weniger schweren Verletzungen führen.

Warum der 35-km/h-Crash problematisch sein kann

Die Ursache für die höheren Belastungen liegt in der Abstimmung der Sicherheitssysteme. Viele Fahrzeuge sind vor allem auf die klassischen Testgeschwindigkeiten ausgelegt, die bisher in Crashversuchen verwendet wurden.

Ein Beispiel sind die Gurtkraftbegrenzer und Gurtstraffer. Bei einem Aufprall mit 50 km/h geben sie etwas Gurt nach und reduzieren so die Kräfte auf den Oberkörper. Beim Aufprall mit 35 km/h greifen diese Systeme jedoch oft anders oder weniger stark. Dadurch fällt der Körper stärker in den Gurt, was zu höheren Belastungen führen kann.

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Tempo und Risiko für Fußgänger

Auch für ungeschützte Verkehrsteilnehmer spielt Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Der Verkehrsunfallforscher Dietmar Otte erklärte bei einem Presseseminar des Deutscher Verkehrssicherheitsrat, dass Fußgänger bei Kollisionen mit einem Pkw bis etwa 40 km/h heute vergleichsweise gute Chancen haben, mit leichten Verletzungen davonzukommen. Selbst bis etwa 50 km/h bleibt das Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen deutlich geringer als bei höheren Geschwindigkeiten.

Sobald diese Marke überschritten wird, steigt die Gefahr jedoch stark an. Der Grund liegt in der Physik: Die bei einem Unfall wirkende kinetische Energie nimmt nicht linear, sondern überproportional mit der Geschwindigkeit zu. Bereits bei 70 km/h ist sie etwa doppelt so hoch wie bei 50 km/h. Deshalb werden höhere innerörtliche Geschwindigkeiten besonders kritisch betrachtet, da sie das Risiko schwerer Folgen für Fußgänger deutlich erhöhen.

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