„Sieht sehr traurig aus“
Forscher sehen Ende einer Ära
07.11.2026 – 12:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Das war es: In den Allgäuer Alpen gibt es keinen einzigen verbliebenen Gletscher mehr. Der letzte seiner Art hat jetzt seinen Status verloren.
Der Schwarzmilzferner auf Tiroler Seite der Allgäuer Hochalpen hat nach dem Hitzesommer 2026 seinen Status als Gletscher verloren. „Nach dem kommenden Sommer wird er aller Voraussicht nach komplett verschwunden sein“, sagt Christoph Mayer, Glaziologe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Der bisherige Gletscher wird seit 25 Jahren zweimal jährlich vermessen. Diesen Oktober zitierte der Bayerische Rundfunk Mayers Kollegin Astrid Lambrecht: „Sieht schon sehr traurig aus der Schwarzmilzferner.“ Es sei ein „niederschmetternden Sommer“ für Gletscher gewesen.
- Klimaexperten sind sich sicher: In diesem Jahr wird wohl wichtige Marke gerissen
Zum Vergleich: Mitte des vergangenen Jahrhunderts war der Schwarzmilzferner noch etwa 27 Hektar groß, jetzt ist nur noch etwa ein Hektar übrig. An Höhe büßte er seitdem mehr als 35 Meter ein. Es sei, das „Ende einer Ära“, sagte Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Gletscherdynamik weg: Schwarzmilzferner fließt nicht mehr
Allein im vergangenen Jahr verlor der Schwarzmilzferner vier Meter Dicke und schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um etwa die Hälfte seines Gesamtvolumens. Entscheidend für die Aberkennung des Status als Gletscher war außerdem, dass er nicht mehr fließt: Das Eisfeld auf der Südostseite von Mädelegabel und Hochfrottspitze zeigt demnach keine Gletscherdynamik mehr – weil das Gewicht des Eises dafür nicht mehr ausreicht.
Damit ist der Schwarzmilzferner kein Einzelfall. „Es verschwinden jedes Jahr mehrere kleinere Gletscher in den Alpen“, erklärt Mayer und hält diese Entwicklung für kaum aufzuhalten. „Selbst wenn es im Winter viel schneit, leiden die Eismassen rapide. Die Sommer sind inzwischen zu heiß für sie“, sagt der Forscher.
Düstere Prognose: Nur noch wenige Jahre für Zugspitz-Gletscher
Seine Prognosen sind düster. „Nach aktuellem Stand gehe ich davon aus, dass die kompletten Ostalpen zwischen 2060 und 2070 eisfrei sein werden“, sagt Mayer.
Noch schneller wird es wohl in Bayern gehen. Denn auch den vier letzten deutschen Gletschern setzte die Hitze erneut schwer zu. Sie büßten schon bis 2025 innerhalb von nur zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche ein. Rund eine Million Kubikmeter Eis gingen insgesamt verloren, wie eine Vermessung durch den Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und Mayer im vergangenen Jahr ergab.
Am längsten werde sich absehbar der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten, hieß es. Doch auch ihm gaben die Wissenschaftler zuletzt nur noch maximal zehn Jahre.











