Doch kein Zufall der Natur?
Warum künftig weniger Jungen zur Welt kommen könnten
14.03.2026 – 12:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Klimawandel bringt nicht nur mehr Hitzetage, sondern könnte auch die menschliche Fortpflanzung beeinflussen. Das belegt eine neue Studie aus Großbritannien.
Forscher der Universität Oxford haben herausgefunden, dass hohe Temperaturen während der Schwangerschaft das Verhältnis von Jungen zu Mädchen bei der Geburt verändern können. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).
Für ihre Untersuchung wertete das Forschungsteam Daten von mehr als fünf Millionen Geburten aus. Die Daten stammen aus 33 Ländern südlich der Sahara sowie aus Indien. Zusätzlich verknüpften die Wissenschaftler die Geburtsdaten mit lokalen Temperaturmessungen während der Schwangerschaft.
Dabei zeigte sich ein auffälliges Muster: Wenn die Tageshöchsttemperaturen über 20 Grad Celsius lagen, sank der Anteil der geborenen Jungen leicht. Nach Einschätzung der Forscher hängt dies vor allem mit einem höheren Risiko für Fehlgeburten in der frühen Schwangerschaft zusammen – und dieses betrifft offenbar häufiger männliche Föten.
Nach Daten des Statistischen Bundesamts werden in Deutschland etwa 5 Prozent mehr Jungen als Mädchen geboren. Bei der Geburt des ersten Kindes waren 2024 die Mütter durchschnittlich 30,4 Jahre alt und die Väter 33,3 Jahre.
Extreme Hitze kann den Körper der Mutter stark belasten. Hohe Temperaturen erschweren die Temperaturregulation des Körpers und erhöhen den Stress für den Organismus. Zudem kann Dehydrierung dazu führen, dass der Fötus schlechter mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Diese Faktoren könnten laut den Forschern erklären, warum männliche Föten offenbar empfindlicher auf Hitzestress reagieren.
Die Studie identifiziert 20 Grad Celsius als eine Art Schwellenwert. Ab dieser Temperatur zeigte sich der Effekt auf das Geschlechterverhältnis der Geburten. Noch heißere Tage verstärkten den Effekt allerdings nicht im gleichen Maß.
Laut Studienautorin Jasmin Abdel Ghany zeigen die Ergebnisse, dass Umweltbedingungen einen stärkeren Einfluss auf die menschliche Fortpflanzung haben können als lange angenommen. „Temperatur prägt die menschliche Fortpflanzung grundlegend – sie beeinflusst, wer geboren wird und wer nicht“, erklärte sie.
Da extreme Hitze durch den Klimawandel weltweit zunimmt, könnten solche Effekte künftig häufiger auftreten. Die Wissenschaftler fordern deshalb weitere Studien, um besser zu verstehen, wie steigende Temperaturen Schwangerschaften und die Bevölkerungsentwicklung beeinflussen.












