Wichtige Verkehrsachse

Streit um Milliardenprojekt im Norden spitzt sich zu


21.04.2026 – 18:27 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein ICE hält am Hamburger Hauptbahnhof (Symbolbild): Ein Neubau auf der Strecke nach Hannover soll für Entlastung sorgen. (Quelle: IMAGO / Hanno Bode)

Die Strecke Hamburg–Hannover ist überlastet, der Ausbau seit Jahren umstritten. Im Bundestag prallen Neubau-Pläne und ein Ausbau der alten Trasse aufeinander.

Die Bahnstrecke Hamburg–Hannover gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen Deutschlands und gilt seit Langem als überlastet. Umstritten ist, wie die Kapazitäten erweitert werden sollen: durch einen Neubau entlang der A7 oder durch den Ausbau der bestehenden Trasse. Am Montag befasste sich der Verkehrsausschuss des Bundestags mit dem Projekt.

In einer rund dreistündigen Anhörung diskutierten Abgeordnete mit Sachverständigen und Vertretern aus der Region. Dabei zeigte sich ein deutlich gespaltenes Meinungsbild.

Die Deutsche Bahn spricht sich klar für eine neue Strecke aus. Nur so lasse sich die Kapazität deutlich erhöhen, ohne zusätzliche Engpässe zu schaffen. Gleichzeitig könnte die bestehende Strecke stärker für den Regionalverkehr genutzt werden. Geplant sind neue Bahnhöfe in Soltau und Bergen sowie ein Halbstundentakt im Nahverkehr zwischen Hamburg und Hannover. Auch für den Güterverkehr, insbesondere in Richtung Hamburger Hafen, sieht die Bahn zusätzlichen Bedarf.

Nach aktuellen Planungen könnte der Bau 2036 beginnen, die Inbetriebnahme wird um das Jahr 2050 erwartet. Die Kosten schätzt der Konzern auf 8,8 Milliarden Euro, möglich sind jedoch bis zu 14,1 Milliarden Euro.

Unterstützung kommt vom Fahrgastverband Pro Bahn. Bundesvorsitzender Lukas Iffländer erklärte, nur ein Neubau ermögliche den geplanten Deutschlandtakt und erfülle die Anforderungen des Bundesverkehrswegeplans. Auch Lutz Könner vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe sowie Kay Rabe von Kühlewein vom Verkehrsclub Deutschland in Niedersachsen sprachen sich im Ausschuss für diese Variante aus. Ein Ausbau der Bestandsstrecke würde in Teilen deutlich länger dauern, sagte Rabe von Kühlewein.

Kritik kommt aus der Region. Peter Dörsam, Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt und Sprecher des Projektbeirats Alpha-E, lehnt einen Neubau ab. Er warnte, die Umsetzung könne sich über Jahrzehnte hinziehen. Stattdessen plädiert er für einen bedarfsgerechten Ausbau bestehender Abschnitte. Diese Position teilt die niedersächsische Landesregierung. Der Hamburger Senat hingegen unterstützt den Neubau.

Das Bundesverkehrsministerium hatte Ende 2025 empfohlen, die von der Bahn favorisierte Variante eines Neubaus entlang der A7 zu realisieren. Das Votum des Bundestags steht noch aus, einen Termin für die Abstimmung gibt es bisher nicht.

Unabhängig von der Grundsatzentscheidung beginnen im Mai umfangreiche Sanierungsarbeiten auf der bestehenden Strecke. Im Rahmen einer sogenannten „Qualitätsoffensive“ wird zunächst vom 1. Mai an der Abschnitt zwischen Celle und Hannover gesperrt. Bis zum 14. Mai können auf Teilstrecken noch Güter- und Fernzüge verkehren. Ab dem 14. Juni bis zum 10. Juli wird die Verbindung zwischen Hamburg und Hannover vollständig gesperrt.

Share.
Die mobile Version verlassen