116 Jobs bedroht
Motoren-Riese zieht bei deutscher Produktion den Stecker
12.10.2026 – 14:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Der japanische Industriekonzern Nidec will die Produktion an einem deutschen Standort einstellen. Ausgerechnet dort arbeiten Fachkräfte, die offenbar noch an anderer Stelle im Konzern gebraucht werden.
Der japanische Motorenhersteller Nidec hat nach Angaben der IG Metall das Aus seiner Produktion in Bietigheim-Bissingen in Baden-Württemberg geplant. Bis Ende 2027 sollen dort die Maschinen stillstehen. 116 Beschäftigte würden damit ihren Arbeitsplatz verlieren, wie die Gewerkschaft mitteilte. Die Entscheidung trifft einen Standort, an dem seit mehr als 80 Jahren Autoteile gefertigt werden.
Besonders brisant: Noch vor der Ankündigung der Schließungspläne war das Fachwissen der Beschäftigten offenbar an anderer Stelle gefragt. Nach Angaben des Betriebsrats sollen Mitarbeiter aus Bietigheim ein Nidec-Werk in Mexiko unterstützen. Dort soll es nach der Verlagerung einer Produktionslinie zu Problemen gekommen sein.
Für die Arbeitnehmervertreter wirft das Fragen auf. Warum soll ein Standort geschlossen werden, dessen Beschäftigte andernorts im Konzern bei Produktionsproblemen helfen sollen?
Standort mit langer Geschichte vor dem Aus
Nidec gehört zu den international bedeutenden Herstellern von Elektromotoren. Der japanische Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 100.000 Menschen. Seine deutsche Tochter Nidec Motors & Actuators stellt unter anderem Motoren und Antriebskomponenten für die Automobilindustrie her.
Der Standort in Bietigheim-Bissingen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seine Wurzeln liegen in einer 1923 gegründeten Werkzeugfabrik. Seit 1942 wird in Bietigheim produziert. Später gehörte das Werk unter anderem zum französischen Autozulieferer Valeo, bevor Nidec 2006 Teile des Geschäfts übernahm.

Nun droht das Ende der Fertigung. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung sollen die rund 84 Beschäftigten in der Verwaltung künftig in Stuttgart arbeiten. Bereits im September 2025 war demnach die Forschungs- und Entwicklungsabteilung geschlossen worden. Rund 90 Arbeitsplätze fielen damals weg.
Für die verbliebenen Beschäftigten ist die Zukunft ungewiss. „Die Kolleginnen und Kollegen haben ihre Arbeit gemacht. Sie haben hochwertige Produkte gefertigt, Kunden betreut, Probleme gelöst und sogar andere Standorte mit ihrem Know-how unterstützt“, erklärte Betriebsratschef Björn Berger in einer Mitteilung der IG Metall. Sie seien nicht für strategische Entscheidungen des Managements verantwortlich. „Deshalb dürfen sie jetzt auch nicht die Rechnung dafür bezahlen.“
Warum soll die gesamte Produktion schließen?
Hinter den Schließungsplänen könnte der Verlust eines wichtigen Kunden stehen. Nach Informationen des Betriebsrats soll ab 2027 ein größerer Auftrag wegfallen. Warum deshalb die gesamte Produktion eingestellt werden muss, habe die Geschäftsführung bislang nicht nachvollziehbar erklärt. Schließlich bestünden weiterhin Verträge mit anderen Kunden.
Für Unmut sorgt auch der Umgang mit der Belegschaft. Seit Monaten verlangen Betriebsrat und Gewerkschaft Auskunft über die wirtschaftliche Lage des Standorts. Bereits im Juli wurde eine Betriebsversammlung unterbrochen, nachdem der Geschäftsführer nicht zu dem Termin erschienen war. Auch eine Versammlung Anfang Oktober wurde unterbrochen.












