Gefährlicher Nebeneffekt
Abnehmspritzen führen zu ungewolltem Gewebeabbau
24.05.2026 – 08:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Abnehmspritzen reduzieren Übergewicht meist besser als ein veränderter Lebensstil. Dabei geht aber nicht bloß Fettgewebe verloren, wie eine Studie zeigt.
Bestimmte Diabetesmittel, sogenannte GLP-1-Agonisten, haben sich als wirksame Hilfe zur Gewichtsreduktion erwiesen. Die vornehmlich als Abnehmspritzen verabreichten Wirkstoffe führen allerdings nicht nur zum gewünschten Fettverlust, sondern oft auch zu einem ungewollten Abbau der Muskulatur. Laut einer im Fachjournal „Annals of Internal Medicine“ veröffentlichten Übersichtsarbeit ist dieser in zwei Dritteln der Fälle stärker als erwartet.
Muskelabbau als Gesundheitsrisiko
Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass neben Fettgewebe auch die Muskelmasse schwindet, wenn Menschen aufgrund einer verringerten Kalorienzufuhr abnehmen: Dabei machte Muskelgewebe etwa 25 Prozent des verlorenen Gewichts aus.
Seitdem gilt dieser 25-Prozent-Anteil als eine Art Richtwert, der möglichst nicht überschritten werden sollte. Denn wer zu viel Muskelgewebe verliert, riskiert eine Erkrankung namens Sarkopenie: Dann kann aufgrund der schwindenden Muskelkraft die Lebensqualität zunehmend beeinträchtigt und eine selbstständige Lebensführung gefährdet sein.
Zusammenhang mit GLP-1-Agonisten im Fokus
Ein Forschungsteam um John Batsis von der Gillings School of Global Public Health der Universität von North Carolina (USA) wollte daher untersuchen, wie sich die Körperzusammensetzung im Zusammenhang mit GLP-1-Agonisten bei Erwachsenen mit Adipositas verändert.
Dazu hat das Team 36 Studien ausgewertet, in denen jeweils ein GLP-1-Agonist (Liraglutid, Semaglutid, Tirzepatid oder Dulaglutid) mit einem Scheinmedikament (Placebo) und/oder einer gezielten Lebensstilveränderung verglichen wurde. Je nach Studie lag das Durchschnittsalter der Teilnehmer zwischen 20 und 63,7 Jahren und der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) vor Therapiebeginn zwischen 27,9 und 41,6.
Analyse ergibt überproportionalen Muskelabbau
In allen Studien fiel der Gewichtsverlust bei der Anwendung eines GLP-1-Agonisten erwartungsgemäß deutlicher aus als bei einer alleinigen Veränderung des Lebensstils. Gleichzeitig kam es bei allen Teilnehmern zu einem Rückgang der Muskelmasse, dessen Ausmaß allerdings stark variierte.
Bei allen Teilnehmern kamen mehr als 15 Prozent des gesamten Gewichtsverlusts durch den Muskelabbau zustande – ein Anteil, der bereits als kritisch gilt. Bei den vier GLP-1-Agonisten zusammengenommen hatte der Muskelabbau im Mittel einen Anteil von 34,9 Prozent am Gewichtsverlust. Bei 68 Prozent dieser Teilnehmergruppe lag der Anteil über dem Richtwert von 25 Prozent.
In den Vergleichsgruppen, die mithilfe einer gezielten Lebensstilveränderung oder eines Scheinmedikaments abzunehmen versuchten, wurde die 25-Prozent-Grenze in jedem zweiten Fall überschritten.
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Manche Fragen bleiben offen
Da die Dauer der einzelnen Studien vergleichsweise kurz war, bleibt unklar, welche Folgen dieser schnelle und überproportionale Verlust an Muskelmasse hat. Die Ergebnisse geben dennoch Anlass zur Sorge – vor allem, weil unter den Studienteilnehmern ausgerechnet diejenige Personengruppe mit dem höchsten Risiko für eine Sarkopenie fehlte: ältere Menschen.
Um besser zu verstehen, welche Mechanismen dem verstärkten Muskelabbau unter GLP-1-Agonisten zugrunde liegen und wie sich der Verlust langfristig auswirkt, sind daher weitere Studien erforderlich.












