Studie findet überraschende Erklärung
Warum ältere Geschwister häufig mehr Erfolg haben
23.06.2026 – 13:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Das erste Lebensjahr hat weit mehr Einfluss auf den späteren beruflichen Erfolg als gedacht, zeigt eine Studie. Das könnte eine bislang ungeklärte Frage beantworten.
Schon länger weiß man: Erstgeborene sind als Erwachsene erfolgreicher als ihre jüngeren Geschwister, zumindest im Durchschnitt. Sie erzielen höhere Bildungsabschlüsse und verdienen mehr. Woran das liegt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Haben die Eltern einfach mehr Zeit, um ihr erstes Kind zu fördern? Stellen sie höhere Ansprüche an dieses? Oder hat es mit biologischen Unterschieden zu tun?
Eine neue Studie liefert einen eher abwegig anmutenden Erklärungsansatz: Womöglich sind schwere Atemwegsinfektionen im ersten Lebensjahr der Grund. Die Befunde legen nahe, dass jüngere Geschwister als Säuglinge häufiger schwer erkranken. Diese frühe Belastung könnte sich noch Jahrzehnte später bemerkbar machen, meinen die Autoren.
Daten von 1,2 Millionen Menschen ausgewertet
Die Studie basiert auf nationalen Registerdaten aus Dänemark. In die Analyse flossen Daten von rund 1,2 Millionen Dänen ein, die zwischen 1981 und 2017 geboren wurden. Sie verglichen jeweils Erst- und Zweitgeborene derselben Familie und verfolgten deren weiteren Lebensweg. Dabei achteten sie unter anderem auf:
- Bildungsabschlüsse
- Einkommen
- chronische Atemwegserkrankungen
Als Grund vermuten die Forschenden, dass ältere Geschwister Krankheitserreger aus Kita oder Kindergarten mit nach Hause bringen und die Säuglinge anstecken. Diese sind in den ersten Lebensmonaten besonders anfällig für schwere Atemwegsinfektionen, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist und ihre Atemwege sehr klein sind.
Der überraschende Befund war jedoch ein anderer: Kinder, die im ersten Lebensjahr häufiger schwer an Atemwegsinfektionen erkrankten, erreichten im Durchschnitt seltener einen höheren Schul- oder Studienabschluss und verdienten als junge Erwachsene etwas weniger. Außerdem litten sie häufiger unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma und nahmen öfter psychiatrische Behandlungen in Anspruch. Besonders deutlich waren diese Zusammenhänge, wenn die Infektionen bereits in den ersten sechs Lebensmonaten auftraten.
Infekte und Erfolg – wie hängt beides zusammen?
Warum schwere Atemwegsinfektionen derart weitreichende Folgen für Bildung und Einkommen haben könnten, kann die Studie nicht sicher beantworten. Eine mögliche Erklärung betrifft die Entwicklung des Gehirns. In den ersten Lebensmonaten wächst und verändert es sich besonders schnell. Gleichzeitig ist es in dieser Phase besonders formbar – aber auch empfindlich.
Nach früheren Studien fließen in dieser Zeit rund 85 Prozent der aufgenommenen Energie in das Wachstum des Gehirns. Eine schwere Erkrankung könnte diesen Prozess stören: Zum einen essen kranke Babys oft weniger, zum anderen benötigt der Körper viel Energie, um die Infektion zu bekämpfen.
- Rauer Hals: Was Sie tun sollten, wenn Ihr Kind heiser ist
- Beschwerden lindern: Wie lässt sich eine RSV-Infektion behandeln?
Auch Entzündungsreaktionen könnten diesen empfindlichen Prozess beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass bestimmte intensivmedizinische Behandlungen bei schweren Verläufen – etwa eine längere künstliche Beatmung unter medikamentös herbeigeführtem Koma – ebenfalls Spuren hinterlassen könnten.











