Metastasen-Risiko halbiert
Forscher hoffen auf weiteres Werkzeug im Kampf gegen Krebs
05.06.2026 – 13:40 UhrLesedauer: 4 Min.

Medikamente wie Ozempic oder Wegovy gelten als Durchbruch bei Diabetes und Adipositas. Nun deutet eine neue Studie darauf hin, dass sie auch bei Krebs helfen könnten.
Millionen Menschen weltweit leben mit einem Diabetes. Durch den gestörten Stoffwechsel und oftmals chronisch erhöhte Entzündungswerte entwickeln sie bestimmte Krebsarten häufiger als Menschen ohne Diabetes. Nun liefern neue Daten Hinweise darauf, dass moderne Diabetes- und Abnehmmedikamente das Risiko verringern könnten, dass sich diese Tumoren im Körper ausbreiten.
Forscher der Cleveland Clinic in den USA stellten ihre Ergebnisse kürzlich auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vor. Die Analyse basiert auf Gesundheitsdaten von mehr als 12.000 Menschen weltweit, die an einer von sieben Krebsarten erkrankt waren. Alle Patienten befanden sich zum Start der Studie in einem frühen oder mittleren Stadium der Erkrankung.
Weniger Metastasen bei vier Krebsarten
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese Wirkstoffe ahmen das körpereigene Hormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) nach und aktivieren dessen Rezeptoren im Körper. Dadurch wird unter anderem die Insulinausschüttung angeregt, der Blutzuckerspiegel gesenkt und das Sättigungsgefühl verstärkt. Zu den GLP-1-Rezeptoragonisten gehören bekannte Wirkstoffe wie Semaglutid, das unter den Markennamen Ozempic und Wegovy verkauft wird, oder Tirzepatid, das unter anderem in Mounjaro enthalten ist. Weitere untersuchte GLP-1-Rezeptoragonisten waren Liraglutid, Pramlintid, Dulaglutid und Lixisenatid.
Die Wissenschaftler verglichen Patienten, die nach ihrer Krebsdiagnose ein GLP-1-Medikament erhielten, mit Patienten, die stattdessen andere Diabetesmittel aus der Gruppe der DPP-4-Hemmer einnahmen. Anschließend prüften sie, wie häufig die Krebserkrankung in ein metastasiertes Stadium überging. Von Metastasen sprechen Ärzte, wenn Krebszellen Tochtergeschwülste in anderen Organen bilden.
Das Ergebnis fiel überraschend deutlich aus: Bei vier von sieben Krebsarten hatten Patienten unter GLP-1-Medikamenten ein um 38 bis 50 Prozent niedrigeres Risiko für eine Ausbreitung des Krebses. Bei Lungenkrebs schritt die Erkrankung bei zehn Prozent der Patienten unter GLP-1-Therapie in Stadium IV fort. In der Vergleichsgruppe waren es 22 Prozent. Ähnliche Unterschiede fanden die Forscher bei Brustkrebs (10 gegenüber 20 Prozent), Dickdarmkrebs (13 gegenüber 22 Prozent) und Leberkrebs (19 gegenüber 28 Prozent).
Studienautor Mark David Orland vom Taussig Cancer Institute der Cleveland Clinic spricht von einer „signifikanten Verringerung“ einer Ausbreitung der Tumore und hält weitere Forschung für vielversprechend.
Auch für die drei anderen Krebsarten (Prostata-, Pankreas- und Nierenkrebs) beobachteten die Forscher eine positive Tendenz; allerdings fielen die Ergebnisse hier nicht statistisch signifikant aus.
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Warum könnten die Medikamente wirken?
GLP-1-Rezeptoragonisten wurden ursprünglich für die Behandlung von Diabetes entwickelt. Inzwischen wissen Forscher jedoch, dass die Wirkstoffe weit mehr bewirken, als den Blutzucker zu senken.
