Heißes Sommerwetter
Kann man sich an anhaltende Hitze gewöhnen?
Aktualisiert am 26.06.2026 – 10:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Hitzewellen werden häufiger. Kann sich der Körper darauf einstellen? Eine Expertin erklärt die Grenzen der Anpassungsfähigkeit.
Die Tage mit hohen Temperaturen und warmen Tropennächten nehmen zu und damit auch die körperliche Belastung. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge gibt es zwar einen gewissen Anpassungseffekt, aber der hat Grenzen.
„Innerhalb einer Hitzewelle wird es für den Menschen von Tag zu Tag, je länger die Hitzewelle andauert, eher belastender“, erklärt die DWD-Medizin-Meteorologin Kathrin Graw im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Vor allem, wenn auch die Erholung in der Nacht fehlt, wenn die Nächte ebenfalls warm bleiben und sich dadurch die Schlafqualität verschlechtert, dann kann die Hitze am nächsten Tag schlechter verkraftet werden.“
Gut zu wissen
Die durchschnittliche Anzahl an Tagen über 30 Grad Celsius („heiße Tage“) hat von 1951 bis 2022 um 8,6 Tage zugenommen. Die meisten traten im Jahr 2018 auf: Hier gab es 20 heiße Tage.
Auch die Gefahr tödlicher Hitzefolgen steigt mit der Dauer einer Hitzewelle, wie der DWD in einer Studie ermittelt hat. „Je länger die Hitze anhält, desto mehr Menschen sterben“, betont Graw. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stürben etwa bis zu 18 Prozent mehr Menschen am elften sowie zwölften Tag einer Hitzewelle verglichen mit Zeiträumen ohne Hitze. An den ersten Tagen einer Hitzewelle liegt die hitzebedingte Übersterblichkeit dieser Gruppe bei 8,5 Prozent.
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Gewisse Anpassung ist möglich
Dennoch sei der Mensch in der Lage, sich im Laufe eines Sommers etwas an Hitze anzupassen, erklärt die Medizin-Meteorologin. Dies berücksichtige der DWD bei seinen Warnungen: Der Schwellenwert, ab dem Hitzewarnungen herausgegeben werden, ist demnach am Anfang des Sommers oder nach einer kühleren Phase niedriger als am Ende des Sommers.
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So liege die Schwelle für Warnstufe 1 üblicherweise bei 32 Grad gefühlter Temperatur. Sie könne am Anfang des Sommers sowie in Norddeutschland auch darunter liegen, jedoch auch auf bis zu 34 Grad gefühlter Temperatur ansteigen.
Durch die Klimakrise werden Hitzewellen in Deutschland häufiger und intensiver. Lernt unser Körper auch langfristig, besser damit zu leben? Laut Graw gibt es hierfür gewisse Hinweise, die aber ebenfalls sehr begrenzt sind. „Im Süden leben die Menschen schon länger mit Hitze“, so die Expertin. Die hitzebedingte Sterblichkeit liege im Süden etwas unter jener im Norden und in der Mitte Deutschlands.
„Die langfristige Anpassung an höhere Temperaturen wird aber auch nicht unbegrenzt möglich sein. Vor allem nicht, wenn die Änderungen, an die sich der Körper anpassen muss, sehr schnell ablaufen“, warnt Graw. „Der Temperaturanstieg durch den Klimawandel hat sich in den letzten Jahren ja leider beschleunigt.“ Besonders für Ältere, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen ist Hitze eine gesundheitliche Gefahr.
