Prozess in Konstanz
Falscher Arzt gesteht 470 Beauty-Behandlungen in sechs Wochen
Aktualisiert am 19.10.2026 – 17:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Sechs Wochen lang arbeitet ein 28-Jähriger in einer Schönheitsklinik als Arzt. Dann stellt sich heraus, dass er ein Betrüger ist.
Er hat Hunderte Patienten und Patientinnen behandelt und damit eine sechsstellige Summe umgesetzt. Aber er war gar kein Arzt. Vor dem Landgericht Konstanz hat ein 28-Jähriger gestanden, sich mit gefälschten Unterlagen als Mediziner ausgegeben zu haben. Laut Anklage führte er rund 470 Schönheitsbehandlungen durch, vorwiegend Unterspritzungen mit Hyaluronsäure.
Der Deutsche arbeitete von Anfang März bis Mitte April dieses Jahres in Konstanz für die Schönheitsklinik-Kette Aesthetify, die von den Beauty-Influencern „Dr. Rick“ und „Dr. Nick“ betrieben wird. Der Angeklagte war Medienberichten zufolge als „Dr. Lukas“ bekannt und soll laut SWR einen sechsstelligen Umsatz erzielt haben. Tatsächlich hatte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2018 lediglich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter abgeschlossen.
Alles gefälscht – sogar das Abi-Zeugnis?
Zum Prozessauftakt am Montag schilderte der 28-Jährige übereinstimmenden Medienberichten zufolge, wie sein Betrug begann. Zunächst habe er im Freundeskreis behauptet, Medizin zu studieren. Während der Corona-Pandemie habe er dann vorgegeben, Vorlesungen und Präsenzveranstaltungen besucht zu haben. Seine gefälschten Zeugnisse habe er sich über einen Anbieter in China beschafft.
Auch die Klinikbetreiber Henrik Heüveldop („Dr. Rick“) und Dominik Bettray („Dr. Nick“) äußerten sich. Auf Instagram erklärte Bettray, der Angeklagte sei eingestellt worden, weil er „langjährige Vorerfahrung nachweisen konnte“. Doch es sei „alles gefälscht“ gewesen, sagte Bettray, „von seiner Approbationsurkunde bis hin zu seinem Abi-Zeugnis.“
Die Menschen, die der 28-Jährige behandelte, erlitten der Staatsanwaltschaft zufolge Schmerzen und klagten teilweise über Folgeschäden durch die Eingriffe. Demnach litten sie unter Krämpfen, verschwommener Sicht, Kieferschmerzen, Taubheitsgefühlen im Gesicht sowie Nerven- und Kopfschmerzen. In einem Fall ist laut Medienberichten ein Teil einer Spritze abgebrochen, in einem anderen hat der Angeklagte versehentlich die Lippe einer Patientin durchstochen.
„Wir hoffen ganz klar auf kein mildes Urteil. Wir wollen, dass der Mann langjährig hinter Gitter geht“, sagt „Dr. Rick“ auf Instagram. Den betroffenen Patientinnen und Patienten boten die beiden Klinikbetreiber eine kostenfreie medizinische Nachuntersuchung an. Zudem kündigten die Influencer einen Podcast mit der Ex-Freundin des 28-Jährigen an. „Denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie absurd das Ganze ist“, sagte Heüveldop.
Dem Angeklagten werden unter anderem Betrug, Urkundenfälschung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Seit Ende April sitzt er in Untersuchungshaft. Bis zum 28. Oktober sind drei weitere Verhandlungstermine angesetzt. Dann könnte ein Urteil fallen.










