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Home » Razzia bei AfD-nahem Aktivisten „Wuppi“
Panorama

Razzia bei AfD-nahem Aktivisten „Wuppi“

By zeit-heute.deOktober 20, 20263 Mins Read
Razzia bei AfD-nahem Aktivisten „Wuppi“
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Durchsuchung bei AfD-nahem Aktivisten

„Wer sich mir in den Weg stellt, wird klein gemacht“


Aktualisiert am 19.10.2026 – 15:38 UhrLesedauer: 8 Min.

Gegen Patrick Kolek wird wegen des Verdachts des gefährdenden Verbreitens personenbezogener Daten in einer Vielzahl von Fällen ermittelt. Er weist den Doxing-Vorwurf zurück.Vergrößern des Bildes

Gegen Patrick Kolek wird wegen des Verdachts des gefährdenden Verbreitens personenbezogener Daten in einer Vielzahl von Fällen ermittelt. Er weist den Doxing-Vorwurf zurück.

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

Ein AfD-naher Aktivist veröffentlicht über viele Monate private Daten politischer Gegner und nennt das „Journalismus“. Lange sah es aus, als würde der Rechtsstaat nur zuschauen.

Wer „Wuppi“ oder seinen Freunden in die Quere kommt, dem droht „Journalisierung“: Seit Monaten macht ein AfD-naher Aktivist Daten politischer Gegner öffentlich oder kündigt das als Vergeltungsmaßnahme an. Wenn auf Elon Musks Netzwerk X Fotos und Namen von Menschen auftauchen, die im Netz mit Pseudonymen unterwegs sind, wenn Nachrichten an Arbeitgeber gehen, dann führt in vielen dokumentierten Fällen die Spur zu „Wuppi“.

Was er mit Gleichgesinnten „Journalismus machen“ nennt, sehen andere als in Deutschland bislang beispiellose konzertierte rechte Doxing-Kampagne zur Einschüchterung. „Doxing“ bezeichnet das Zusammentragen und Veröffentlichen privater oder personenbezogener Daten mit dem Ziel, Menschen bloßzustellen oder einzuschüchtern.

Mehrere Dutzend Betroffene haben sich vernetzt. Bei einigen standen nach der Veröffentlichung ihrer Daten wiederholt und über längere Zeit Unbekannte an der Wohn- oder Büroadresse, manche bekamen massenhaft unverlangte Lieferungen oder verloren Accounts durch ständige unbefugte Anmeldeversuche. In mindestens einem Fall wurde auch durch eine Verwechslung die Identität einer völlig unbeteiligten Person öffentlich gemacht.

18 Fälle bislang – und es gehen weiter Anzeigen ein

„Wuppi“ heißt eigentlich Patrick Kolek und ist 35 Jahre alt. Mit einem Otter als Profilbild veröffentlicht er auf X seine Beiträge. Er sagte t-online, er habe aus seiner Sicht nichts Gesetzeswidriges getan. Kolek steht nach Anzeigen aus ganz Deutschland im Mittelpunkt von Ermittlungen der Zentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus (ZeT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz.

Deren Leiter Christopher do Paço Quesado bestätigte t-online: Die Behörde ermittelt wegen mindestens 18 Fällen von gefährdendem Verbreiten personenbezogener Daten, Beleidigung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Das Ausmaß kann sich noch ändern: „Durch die Polizei werden fortlaufend Auswertungen vorgenommen, und es gehen auch weiterhin Strafanzeigen ein, die ebenfalls zunächst durch die Polizei ausgewertet werden“, sagte do Paço Quesado. Am 16. September frühmorgens wurde die Wohnung von Kolek in Koblenz durchsucht. Seine Geräte wurden beschlagnahmt.

Für einen solchen Fall hatte Kolek im Oktober 2025 etwas angekündigt, was viel über sein Auftreten im Netz aussagt: „Wenn ich wieder eine Hausdurchsuchung kassiere, steht fünf Minuten später der zuständige Staatsanwalt mit Gesicht auf meinem Kanal auf Twitter.“ Und weiter: „Dazu fahre ich auch zu ihm nach Hause und versuche, ein Spontaninterview zu machen.“

Kolek verbindet mit solchen Ankündigungen durchaus auch mögliche Reaktionen anderer, für die er dann nichts könne. Als das Team von Jan Böhmermann vor einigen Monaten über Kolek und dessen Umfeld recherchierte und „Wuppi“ Fragen schickte, warnte der Koblenzer in einem Video: „Es gibt die schlimmsten Autisten im Internet. Die finden es auch nicht unbedingt lustig, wenn ich jetzt angemacht werde.“

Im November Verhandlung wegen Doxing von Staatsanwalt

Geleakte Chats belegen, dass Kolek mit Akteuren aus Hass-Netzwerken in Verbindung stand, die Menschen über längere Zeiträume und auf vielfältige Weise nachstellen. In seinem Böhmermann-Video bat Kolek Nutzer ausdrücklich, keine privaten Daten zu Böhmermann zu suchen oder ihm zu schicken. Im Kontext konnte die Formulierung aber auch als ironische Aufforderung ins Gegenteil verstanden werden.

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