Merz sucht die Gründe bei sich selbst
Und so erscheinen auch seine Sätze zu sich selbst, die rein inhaltlich gar nicht so neu daherkommen, ungewohnt offen und kritisch. Er frage sich, „wie es so weit kommen konnte“. Er suche, so Merz weiter, „die Gründe auch bei mir“, seit geraumer Zeit beschäftige ihn das, fertig sei er mit seinen Überlegungen jedoch nicht.
Klar aber sei: Viele Menschen folgten ihm und seinen Gedanken nicht. Er müsse sich besser erklären, das wolle er in den nächsten Wochen und Monaten tun. Und: „Das ist meine Bringschuld, die nehme ich an.“
Ähnliche Töne hatte Merz dem Vernehmen nach zuvor auch schon in den Führungsgremien der Partei angeschlagen, die den gesamten Vormittag über getagt hatten. Dass Merz dabei im Wortsinne nicht die übliche Tagesordnung einhielt, zeigte sich bereits vor Beginn der Gremiensitzung. Am Morgen nämlich rief Merz zunächst die Ministerpräsidenten der CDU zusammen, um mit ihnen alleine zu beraten – ein ungewöhnlicher Schritt. Die Sitzung des Parteipräsidiums begann mit 50 Minuten Verspätung.
Sachliche Debatte
Einer dieser Ministerpräsidenten fand kurz vor Merz‘ Pressekonferenz denn auch markige Worte, die ähnlich kritisch klangen wie die jene des Kanzlers selbst. Zu den anstehenden Reformen sagte er im Interview mit dem Südwestrundfunk: „Wir müssen ordentlich erklären, kommunizieren, warum wir das tun.“ Was im Umkehrschluss so viel heißt wie: Bislang war das nicht der Fall, die Menschen werden nicht mitgenommen, verstehen nicht, warum es etwa bei der Rente großangelegte Veränderungen geben muss. Und auch nicht, warum der Kanzler an anderer Stelle Sachen macht, die er macht – etwa der große Personalumbau in der Regierung, dem Schnieders Bruder, der Verkehrsminister Patrick Schnieder, unlängst zum Opfer fiel.
So wie Merz an diesem Montag zu verstehen war, ist das längst ist allen klar. Alle, inklusive dem Kanzler, wissen, dass auch er selbst ein Teil des Problems ist. Seine ganz persönlichen Beliebtheitswerte sind so dramatisch schlecht, dass viele Menschen schon deshalb ihr Kreuz nicht bei der CDU machen, weil Merz als Parteichef die Regierung anführt.
Und doch soll es dem Vernehmen nach in den Spitzenrunden der Partei am Montag in keinster Weise um Personen gegangen sein, etwa darum, dass Merz vielleicht nicht mehr der richtige Parteichef sein könnte. Mehrere Teilnehmer sprachen im Anschluss von einer „gefassten, sehr ernsthaften“ Sitzung des Bundesvorstands, von einer „sachlichen Debatte“ und davon, dass es jetzt nicht darum gehe, sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.










