Historischer El Niño erwartet
In Deutschland beginnt das große Winter-Rätsel
Aktualisiert am 29.08.2026 – 15:02 UhrLesedauer: 4 Min.

Im Pazifik baut sich ein historischer El Niño auf – ein Phänomen, das in vielen Teilen der Welt das Wetter beeinflussen kann. Und schon verbreiten sich Spekulationen um einen Jahrhundertwinter in Deutschland. Aber was ist dran?
Im tropischen Pazifik zeichnet sich derzeit ein Ereignis ab, das sich zu den stärksten seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen entwickeln könnte: der El-Niño. Vor der Küsten Südamerikas wurden teilweise Abweichungen von mehr als drei Grad gegenüber der Referenzperiode 1991 bis 2020 gemessen.
Gleichzeitig zeigen die Prognosen, dass sich der El Niño im weiteren Verlauf noch verstärken dürfte. Seinen Höhepunkt könnte er demnach im Spätherbst oder Frühwinter erreichen. Nach Angaben der US-Klimabehörde (Noaa) wird es mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent zu einem „sehr starken“ Ereignis kommen. Das ist die höchste von vier Kategorien. Es könnte sogar der stärkste El Niño der Geschichte werden.
Der Meteorologe Özden Terli erklärt auf Anfrage von t-online: „Inzwischen sind die Temperaturen enorm hoch. Die Oberflächentemperatur im Pazifik ist bereits sehr weit fortgeschritten. Wahrscheinlich steuern wir auf einen historischen El Niño zu.“
Der El-Niño-Effekt kommt zu Extremwetter hinzu
„Entscheidend ist dabei, dass dieser El Niño auf eine ohnehin bereits stark erwärmte Welt trifft“, betont der Experte des ZDF. „Die Weltmeere sind schon deutlich wärmer als normal. Zu dieser Ausgangslage kommt nun der El-Niño-Effekt hinzu. Extremwetterereignisse entstehen häufig dadurch, dass sich verschiedene Faktoren überlagern. Die aktuelle Entwicklung ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich solche Effekte in einer global erwärmten Welt gegenseitig verstärken können“, warnt er.
Bei den besonders starken El-Niño-Ereignissen 1997/98 und 2015/16 lag der sogenannte Relative Oceanic Niño Index bei etwa plus 2,4 Grad. Die aktuellen Prognosen besagen, dass dieser Wert im kommenden Winter höchstwahrscheinlich überschritten wird. Damit rückt auch für Deutschland eine Frage in den Mittelpunkt: Kann ein derart starker El Niño den Winter hierzulande beeinflussen?

El Niño und das Wetter
Der El Niño kann das Wettergeschehen in vielen Teilen der Welt bestimmen. Das Phänomen ist die warme Phase der natürlichen Klimaschwankung ENSO, der „El Niño-Southern Oscillation“. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark. Das Naturereignis tritt ungefähr alle drei bis vier Jahre auf.
Die Folgen zeigen sich zunächst rund um den Pazifik. In Teilen Südamerikas kann es auch in normalerweise trockenen Regionen stark regnen, während in Teilen Südostasiens schwere Dürren auftreten können.
So wirkt sich der El Niño auf das Wetter in Deutschland aus
Anders als in zahlreichen Regionen Amerikas, Australiens, Asiens und Afrikas sind die Auswirkungen des Phänomens auf Europa vergleichsweise schwach. Sie entstehen vor allem indirekt, weil der El Niño die großräumige Zirkulation der Atmosphäre beeinflussen kann.









