Tödliches Risiko
Behörde fahndet nach Millionen fehlerhaften Autos
31.07.2026 – 10:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Nach einem Airbag-Defekt mit tödlichem Ausgang in Frankreich erhöht das Kraftfahrt-Bundesamt den Druck. Hersteller müssen Rückrufe beschleunigen und Fahrzeuge zügiger nachrüsten.
Im Juni 2025 ist eine Autofahrerin in Frankreich durch einen fehlerhaften Airbag ums Leben gekommen. Beim Aufprall platzte der Gasgenerator ihres elf Jahre alten Citroën C3. Metallsplitter wurden in den Innenraum geschleudert und trafen die Fahrerin tödlich.
Das Kraftfahrt-Bundesamt reagiert infolge dieses Todesfalls mit strengeren Vorgaben. Die Behörde fordert Hersteller auf, laufende Rückrufaktionen zu beschleunigen und Austauschprogramme früher abzuschließen als ursprünglich geplant.
Mehr als 5,8 Millionen Fahrzeuge betroffen
Seit 2014 mussten in Deutschland mehr als 5,8 Millionen Pkw und Nutzfahrzeuge wegen fehlerhafter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurückgerufen werden. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt kommen jedes Jahr im Durchschnitt rund 480.000 weitere Fahrzeuge hinzu.
Der Takata-Rückruf gilt weltweit als einer der größten in der Geschichte der Automobilindustrie. Betroffen sind Fahrzeuge zahlreicher Hersteller, darunter deutsche, andere europäische, amerikanische und asiatische Marken.
Das KBA stuft die Gefahr als ernst ein. Zugleich weist die Behörde darauf hin, dass das Risiko nicht bei allen Fahrzeugen gleich hoch ist. Besonders kritisch ist es bei älteren Fahrzeugen sowie Autos, die über längere Zeit in Regionen mit hoher Hitze und Luftfeuchtigkeit genutzt wurden.
Warum die Airbags gefährlich werden können
Das Problem liegt im Gasgenerator des Airbags. Er enthält ein Treibmittel, das bei einem Unfall in Sekundenbruchteilen Gas freisetzt und den Airbag aufbläst. Takata verwendete dafür Ammoniumnitrat.
Diese Verbindung kann sich mit der Zeit verändern, insbesondere durch Feuchtigkeit, starke Temperaturschwankungen und große Hitze. Dadurch wird das Material instabiler und kann bei einer Auslösung zu schnell reagieren.
Im Extremfall kann der Druck im Gasgenerator so stark steigen, dass das Metallgehäuse reißt. Dann öffnet sich der Airbag nicht nur wie vorgesehen, sondern es können auch Metallsplitter in den Innenraum geschleudert werden. Weltweit starben dadurch bereits mindestens 35 Menschen, Hunderte wurden verletzt.
In dem Fall aus Frankreich soll ein unentdeckter Wasserschaden das Material zusätzlich geschädigt und den Defekt beschleunigt haben. Für das KBA ist dieser Vorfall dennoch Anlass, die Rückrufe insgesamt zu verschärfen.

Warum manche Fahrzeuge früher umgerüstet werden
Wie schnell ein Takata-Airbag gefährlich wird, hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit beispielsweise beschleunigen die Alterung des Treibmittels. Deshalb wurden Fahrzeuge in tropischen und subtropischen Ländern zuerst mit Ersatzteilen versorgt.
Für Deutschland sieht das KBA wegen des gemäßigteren Klimas keine flächendeckende akute Gefahr. Entwarnung bedeutet das jedoch nicht. Die Behörde prüft besonders aufmerksam importierte Fahrzeuge, die zuvor in heißen oder feuchten Regionen unterwegs waren und später nach Deutschland gelangten. Solche Autos können ein höheres Risiko aufweisen und werden daher bevorzugt in Rückrufaktionen einbezogen.
Ersatzteile weltweit knapp
Der Austausch der betroffenen Airbags wird seit Jahren durch begrenzte Ersatzteilkapazitäten erschwert. Weltweit müssen Millionen Fahrzeuge nachgerüstet werden. Deshalb priorisieren die Hersteller häufig ältere Modelle oder Fahrzeuge mit einem erhöhten Risikoprofil.












