Das E-Auto für 15.000 Euro
So will die EU den Kleinwagen retten
16.06.2026 – 15:13 UhrLesedauer: 3 Min.
Jahrelang verschwanden bezahlbare Kleinwagen vom europäischen Markt. Ein neuer Verordnungsentwurf der EU-Kommission soll das Segment nun wiederbeleben. Brüssel plant dafür eine eigene, neue Zulassungsklasse.
Ein aktueller Entwurf der EU-Kommission sieht vor, eine eigene Kategorie für kleine, rein elektrische Autos einzuführen: die sogenannte M1E-Klasse. Das Papier richtet sich an Fahrzeuge bis 4,20 Meter Länge, die vollwertige Pkw-Sicherheitsstandards erfüllen müssen. Brüssel plant zwei Mechanismen, um die Entwicklung günstiger Elektroautos zu erleichtern und das Angebot an kleinen Autos wieder zu erhöhen. Denn die Auswahl wurde immer geringer.
Warum bezahlbare Kleinwagen ausstarben
Modelle wie der Ford Fiesta oder der VW Up wurden über Jahre hinweg schrittweise eingestellt. Der Grund: Immer strengere Sicherheits- und Umweltvorgaben machten das Segment für Hersteller zunehmend unrentabel. Die geplante Neuregelung soll nun den Kleinwagen retten. Sofern er abgasfrei fährt.
Ein Fahrzeug fällt laut Entwurf in die neue Kategorie, wenn es höchstens 4,20 Meter misst und ausschließlich mit Batterie läuft. Verbrenner und Hybride sind ausgeschlossen. Anders als bei Leichtfahrzeugen soll es keine Gewichtsobergrenze geben, um den Herstellern vollen Spielraum beim Bau sicherer Autos zu lassen.
Zwei Mechanismen sollen die Kosten senken
Der erste Hebel der EU betrifft die Zulassungsregeln. Wer ein Modell dieser neuen Klasse anmeldet, soll von einer zehnjährigen Regelstabilität profitieren. Hersteller müssten Fahrzeuge in dieser Zeit nicht an neue Assistenzpflichten anpassen. Das senkt die Entwicklungskosten drastisch und schafft langfristige Planungssicherheit.

Der zweite Hebel ist ein Bonuspunkte-System für das Klima. Europäische Hersteller müssen strenge CO2-Ziele für ihre gesamte Fahrzeugflotte einhalten. Andernfalls drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Der Entwurf sieht vor, dass jedes in der EU gebaute und verkaufte Fahrzeug der neuen Klasse in der CO2-Abrechnung wie 1,3 Autos zählt. Konzerne wie Stellantis, Volkswagen oder Renault könnten dadurch mehr Spielraum erhalten, günstige Elektro-Kleinwagen anzubieten. Denn jedes verkaufte Fahrzeug würde stärker auf die Klimabilanz angerechnet werden.
Als Vorbild dienen die in Japan erfolgreichen Kei-Cars, die dort über ein Drittel aller Neuzulassungen ausmachen. Die geplante EU-Variante unterscheidet sich jedoch wesentlich: Während Japan vereinfachte Sicherheitsnormen und auch Benziner erlaubt, hält die EU an vollen Crashtest-Standards fest und beschränkt die neue Klasse strikt auf Elektroantrieb.
Welche Modelle könnten profitieren?
Die Längengrenze spaltet den Markt der kleinen Stromer in zwei Lager. Auf der Gewinnerseite stehen europäische Modelle wie der Renault 5 oder der Citroën ë-C3, die das Limit einhalten. Auch künftige Neuentwicklungen könnten genau in das neue Raster passen, sofern sie nicht zu groß geraten.
Nachteilig ist der Entwurf dagegen für beliebte Importe: Der Dacia Spring und der elektrische Mini von BMW verfehlen die Hürde nach aktuellem Stand, weil Brüssel die Endmontage zwingend in Europa vorschreibt. Der Volvo EX30 wiederum scheitert haarscharf, weil er die wichtige Längengrenze um drei Zentimeter verfehlt.












