Bestände schwinden
Energieagentur-Chef warnt: Ölpreis kurz vor roter Zone
21.05.2026 – 23:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Öl könnte im Sommer knapp werden, wenn die Straße von Hormus nicht wieder offen ist, sagt der IEA-Chef. Er warnte vor hohen Preisen.
Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) hat vor einer Zuspitzung der Lage am Ölmarkt im Sommer gewarnt. Die Preise könnten im Sommer in einen kritischen Bereich steigen, sagte Fatih Birol am Donnerstag in London.
Als Gründe nannte er fehlende neue Ölexporte aus dem Nahen Osten, schwindende Lagerbestände und die hohe Nachfrage nach Kraftstoff im Sommer wegen der Reisesaison. Zu Beginn der durch den Iran-Krieg verursachten Ölversorgungskrise habe es einen Angebotsüberschuss gegeben, was dazu beigetragen habe, den Schock abzufedern, so der Energieexperte.
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Nun würden die Bestände jedoch schwinden. Im März hatte die IEA die Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus strategischen Reserven koordiniert. Davon fließen Birol zufolge nun täglich etwa 2,5 bis drei Millionen Barrel auf den Markt. Die IEA sei bereit, bei Bedarf die Freigabe weiterer Reserven zu koordinieren, sieht aber Herausforderungen. „Es könnte schwierig werden, und wir könnten im Juli und August in die rote Zone geraten, wenn sich keine Verbesserungen abzeichnen“, sagte Birol.
Imageschaden für den Nahen Osten
Birol fügte hinzu, er habe „noch nie erlebt, dass der dunkle und lange Schatten der Geopolitik den Energiesektor so stark beherrscht“. Er äußerte laut dem britischen „The Guardian“ zudem die Befürchtung, extremistische Parteien in Europa könnten die bevorstehende Inflation opportunistisch ausnutzen, um zu argumentieren, sie sei ein Zeichen für das Versagen der bestehenden politischen Systeme. Tatsächlich wird der Ölpreis international im Handel festgelegt, die Politik kann nur die Preise für Konsumenten mit Subventionen, Steuersenkungen oder Rabatten abfedern.
Der IEA-Chef sieht aber auch für den Iran eine Versorgungskrise kommen. Das Land habe keine unendlichen Reserven und die iranische Industrie könnte bald Probleme bekommen, so Birol. Er sah zumindest für ein Jahr keine Aussicht auf eine vollständige Erholung der Ölförderung, auch nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Insgesamt sei der Ruf des Nahen Ostens als sicherer Energielieferant beschädigt worden, sagte er und prognostizierte, dass viele Länder für Lieferungen aus sicheren Quellen und für erneuerbare Energien einen Aufpreis zahlen würden.












