Der HSV hat nach langer Suche offenbar eine Nachfolgerin für Stefan Kuntz gefunden. Die Entscheidung für Kathleen Krüger ist mutig und vernünftig zugleich.
Mutig, weil der HSV mit den üblichen Mustern bricht. Sebastian Kehl, Oliver Bierhoff, Stefan Reuter oder Fabian Wohlgemuth wurden öffentlich gehandelt, zwischenzeitlich kursierten sogar Gerüchte um eine Rückkehr von Dietmar Beiersdorfer. Statt für einen bekannten Namen entscheidet sich der Verein nun offenbar bewusst für einen anderen Weg.
Vernünftig, weil genau dieser Reflex lange Zeit gefehlt hat. Der HSV setzt nicht auf Strahlkraft, sondern primär auf fachliche Kompetenz. Krüger genießt in der Branche hohes Ansehen.
Sie kennt die Abläufe eines Topklubs aus nächster Nähe. 2009 begann sie beim FC Bayern als Assistentin von Sportvorstand Christian Nerlinger, später arbeitete sie auch für dessen Nachfolger Matthias Sammer. 2012 wechselte sie als Teammanagerin zur Profimannschaft und verantwortete dort zentrale organisatorische Prozesse als „rechte Hand“ der Trainer. Pep Guardiola schätzte ihre Arbeit so sehr, dass er sie mehrfach zu Manchester City holen wollte. Seit 2024 ist sie in einer leitenden Stabsstelle direkt dem Vorstand zugeordnet.
Krüger bringt damit fast zwei Jahrzehnte Erfahrung bei einem der erfolgreichsten und professionellsten Vereine im Weltfußball mit. Sie hat sportlich wie operativ in Führungspositionen gearbeitet. Am Ende eines objektiven, profilbasierten Auswahlprozesses einer externen Agentur blieb die 40-Jährige als vielversprechendste Kandidatin für den HSV übrig.
Auch der Umgang des HSV mit dieser Personalie wirkt ungewohnt professionell. Interna drangen kaum nach außen, der Prozess verlief ruhig. In der Vergangenheit war das anders: öffentliche Kritik und nach außen gelangte Interna beschädigten regelmäßig das Bild des Vereins. Dieses Mal blieb die Unruhe aus, wie schon nach der überraschenden Trennung von Stefan Kuntz im Januar.
Beim HSV würde Kathleen Krüger erstmals allein in der ersten Reihe stehen. Eine solche Verpflichtung ist nie frei von Risiko, doch umgekehrt besitzen auch große Namen keine Erfolgsgarantie. Das hat der HSV in der Vergangenheit zur Genüge erlebt – und aus seinen Fehlern gelernt. Die Entscheidung für Kathleen Krüger zeigt: Kompetenz zählt wieder mehr als alles andere.











