Natur und Landwirtschaft
Geschäftsmodell Moor: Bund fördert Wiedervernässung
Aktualisiert am 17.04.2026 – 13:25 UhrLesedauer: 3 Min.
Pflanzen für Papier oder Kartons, Fleisch von Wasserbüffeln: auch mit Mooren lässt sich Geld verdienen. Damit das mehr Landwirte tun, gibt es nun Geld vom Bund. Das soll dem Klima helfen.
Mit staatlicher Förderung will Bundesumweltminister Carsten Schneider die klimaschonende Bewirtschaftung von Mooren attraktiv machen. Die Moore könnten so „wieder die natürliche Klima-Anlage werden, die sie jahrtausendelang waren“, sagte der SPD-Politiker in Berlin.
Mehr als 90 Prozent der ursprünglichen Moorböden in Deutschland sind heute nach Angaben des Ministeriums trockengelegt. Nass seien nur noch rund 100.000 Hektar. Die Förderung soll diese Fläche um 90.000 Hektar erweitern, also fast verdoppeln.
Was Moore für das Klima leisten
Moore können viel schädliche Treibhausgase speichern und helfen so beim Klimaschutz. Wenn sich die torfigen Moorböden im trockenen Zustand zersetzen, geben sie Kohlenstoff ab. Wenn die Böden wieder nass werden, wird dieser Prozess gestoppt oder sogar umgekehrt.

Großes Lob kam von Umweltverbänden. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sprach von einem Meilenstein. „In Zeiten von Dürre und Starkregen sind nasse Moore unverzichtbar: Sie speichern Wasser, sichern Ernten und stabilisieren unsere Trinkwasserversorgung.“ Nötig seien nun aber auch deutlich schnellere Genehmigungsverfahren, Anreize etwa für die Rückhaltung von Wasser und die klare Verankerung des Moorschutzes in der Raumplanung.
Moore als Klimaschutz-„Verbündete“
Der Deutsche Naturschutzring nannte die Pläne einen „Game Changer“, die Wiedervernässung sei einer der wirksamsten Hebel, um die Treibhausgasemissionen in der Landnutzung zu senken. „Während entwässerte Moorböden in Deutschland enorme Mengen CO₂ freisetzen, sind nasse Moore unsere natürlichen Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise.“
Über geförderte Naturschutzprojekte sei es bislang gelungen, 1.600 Hektar Moor wieder zu vernässen, sagte Schneider. „Wir können dabei aber nicht stehen bleiben, sondern brauchen mehr, denn über 80 Prozent der entwässerten Moorböden werden bisher land- und forstwirtschaftlich genutzt.“
Was passiert, wenn Moore trockengelegt werden
In der Vergangenheit wurden Moore entwässert, um Wiesen und Äcker zu gewinnen und Torf abzubauen, der als Brennstoff genutzt wurde. Doch inzwischen wisse man um die Nebenwirkungen, sagte Schneider. „Landwirtschaft auf trockenen Moorböden wird mit der Zeit immer schwieriger und irgendwann unmöglich. Wasser geht der Region verloren, der Grundwasserspiegel sinkt ab, Wälder vertrocknen immer mehr und der im Boden gebundene Kohlenstoff entweicht in die Atmosphäre und heizt den Planeten immer weiter auf.“
Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der Landesfläche ausmachten, verursachten sie rund 7 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen, über 50 Millionen Tonnen.
Was Schneider fördern will
Nach Jahrhunderten der Entwässerung gehe es nun um „eine historische Trendwende im Verhältnis zwischen Mensch und Natur“, sagte Schneider. Die Grundidee der Unterstützung: Eine schonende Bewirtschaftung der wertvollen Flächen soll sich finanziell lohnen. Mit dem Ansatz ist Deutschland laut Schneider in Europa Pionier.












