Gasstopp könnte Preisanstieg auslösen
Putin denkt laut nach – und Europa zittert
04.03.2026 – 23:23 UhrLesedauer: 2 Min.
Russland könnte die verbleibenden Gaslieferungen an die EU sofort stoppen und damit die Gaspreise ansteigen lassen. Kremlchef Putin äußerte entsprechende Überlegungen.
Wladimir Putin erwägt offenbar, die Gaslieferungen nach Europa von sich aus schon bald einzustellen. Das könnte die Preise in die Höhe treiben. Die EU hat ihrerseits bereits ein Embargo geplant, aber noch nicht umgesetzt. „Jetzt öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns vorteilhafter, jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen“, sagte Putin in einem auch vom Kreml veröffentlichten Interview des russischen Staatsfernsehens.
Ein solcher Schritt dürfte die durch den Iran-Krieg ohnehin gespannte Lage auf dem Gasmarkt weiter verschärfen und die Energiepreise noch mehr in die Höhe treiben. Die betroffenen Ländern müssten dann Gas auf dem Weltmarkt kaufen – zu wahrscheinlich neuen Konditionen. Ähnlich war es schon nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022.
Die EU hat im vergangenen Jahr Flüssigerdgas aus Russland im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro importiert. Das sind rund drei Prozent weniger als 2024 (rund 7,6 Milliarden), wie aus Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Insgesamt wurde 2025 Flüssigerdgas (LNG; liquefied natural gas) im Wert von rund 46,0 Milliarden Euro importiert. Das meiste – für rund 24,2 Milliarden Euro – kam aus den USA.
Putin sagte zwar, dass er nur laut darüber nachdenke, ob die Orientierung auf andere Märkte und das Fußfassen dort für Russland jetzt nicht günstiger sei. Eine Entscheidung sei nicht gefallen. Er beauftrage aber gleichzeitig die Regierung und die Unternehmen, einen solchen Schritt zu prüfen. Putin betonte gleichzeitig, dass Russland ein verlässlicher Lieferant auch in Europa bleiben wolle. Damit dürfte er vor allem Ungarn und die Slowakei im Blick haben, die als ihm gewogen gelten.
Putin sagte, dass es keinen politischen Hintergrund für seine Überlegungen gebe. Es gehe ums Geschäft. Wenn die EU ohnehin bald kein russisches Gas mehr abnehme, „ist es besser, jetzt selbst aufzuhören und in die Länder zu gehen, die zuverlässige Partner sind, und uns dort zu etablieren“, erklärte er.
Russland hatte wegen der EU-Sanktionen seine Gaslieferungen massiv diversifiziert und vor allem nach China ausgeweitet. Trotz der Sanktionen liefert die Energiegroßmacht aber immer noch Gas in die EU. Die Europäische Union will bis spätestens Ende 2027 vollkommen unabhängig von Erdgas aus Russland sein und jegliche Importe stoppen.










