Auch Deutschland hat ein Problem

WHO alarmiert wegen anhaltender Gefahren durch Blei


Aktualisiert am 25.10.2026 – 10:13 UhrLesedauer: 2 Min.

Im Krankenhaus (Symbolbild): Für Kinder wird Blei besonders schnell gefährlich. (Quelle: getty-images-bilder)

Blei kann insbesondere bei Kindern bereits in kleinen Mengen die Gesundheit schädigen. Die WHO fordert mehr Schutz. Deutsche Daten zeigen, wie das Metall in unseren Alltag gelangt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert Regierungen weltweit auf, die Belastung durch das giftige Schwermetall Blei stärker einzudämmen. Laut Bruce Gordon von der WHO-Umweltabteilung gehört eine Bleivergiftung „zu den schwersten umweltbedingten Gesundheitsgefahren, wird aber zugleich wenig beachtet“. Auch Deutschland braucht nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) trotz Fortschritten mehr Schutz.

Schätzungen zufolge verursacht das Schwermetall jährlich mehr als 3,5 Millionen Todesfälle. Es kann Gehirn, Nieren und Leber schädigen und sich in den Knochen ansammeln.

Warum Blei für Kinder besonders gefährlich ist

Bei Kindern entwickeln sich Gehirn und Nervensystem noch. Deshalb reagieren sie besonders empfindlich auf Blei. Schon 3,5 Mikrogramm pro Deziliter Blut können laut WHO die Intelligenz mindern, Verhaltensauffälligkeiten auslösen und das Lernen erschweren. Ein Deziliter sind 100 Milliliter.

Etwa 815 Millionen Kinder weltweit haben mindestens fünf Mikrogramm Blei pro Deziliter Blut. Ab dieser Schwelle verlangen die WHO-Richtlinien, die Ursache der Belastung zu ermitteln und zu beseitigen. Der Wert bedeutet jedoch nicht, dass niedrigere Mengen ungefährlich sind: Die WHO betont, dass es keine sichere Belastungsgrenze gibt. Selbst geringe Mengen können bleibende Schäden verursachen.

Deutschland: Blei gelangt auch über Lebensmittel in den Körper

Gleichzeitig kommt Blei in einer großen Bandbreite von Produkten vor, von Farbe über Kochgeschirr und Kosmetik bis hin zu Gewürzen. Menschen kommen auch über Luft, Staub, Boden und Tabakrauch mit Blei in Kontakt. Bleihaltige Keramik kann das Metall an Speisen abgeben; im Trinkwasser können Bleirohre eine Quelle sein.

Zudem wird Blei über Lebensmittel aufgenommen. Wie Menschen hierzulande Blei über die Nahrung aufnehmen, zeigt eine Auswertung des BfR aus dem letzten Jahr. Sie besagt, dass in allen Altersgruppen Getreide und Getreideprodukte sowie Wasser und wasserbasierte Getränke jeweils zu 15 bis 20 Prozent zur durchschnittlichen Bleiaufnahme über Lebensmittel beitragen. Gerichte aus mehreren Zutaten machen weitere 8 bis 11 Prozent aus. Bei Erwachsenen kommt die Gruppe Kaffee, Kakao und Tee mit etwa 16 Prozent hinzu. Hier spielt vor allem Kaffee eine Rolle.

Wo ist die Bleibelastung besonders hoch?

Europa und Deutschland sind im weltweiten Vergleich weniger stark von den Gesundheitsfolgen durch Blei betroffen. Am stärksten belastet sind Länder in Asien und Afrika. Innerhalb Europas lagert sich dennoch Blei aus der Luft in Zentraleuropa ab. Dazu tragen auch eigene Emissionen Deutschlands und Polens bei. Die niedrigsten Ablagerungen innerhalb Deutschlands finden sich im Norden, in der Mitte und am Alpenrand. Südeuropa erreicht zusätzlich bleihaltiger Staub aus Afrika und Zentralasien.

Kleine Kinder nehmen vergleichsweise mehr Blei auf

Bezogen auf das Körpergewicht liegt die geschätzte Bleiaufnahme über Lebensmittel bei Kindern bis zu fünfmal höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Das BfR sieht insbesondere bei jüngeren Kindern weiterhin Risiken für die Entwicklung des Nervensystems.

Weniger Blei in der Umwelt, aber keine Entwarnung

Laut Umweltbundesamt gingen die Schwermetallausstöße von 1990 bis 2023 in Deutschland grundsätzlich zurück. Auch die Ablagerungen aus der Luft nahmen ab. Doch die Umwelt baut Blei nicht ab. Bereits abgelagerte Mengen können erneut in die Luft gelangen. Gesundheits- und Umweltbehörden fordern deshalb, die Aufnahme weiter so weit wie möglich zu verringern.

Die WHO will bis zur nächsten Jahresversammlung ihrer Mitgliedstaaten im Mai einen Aktionsplan vorlegen. Weniger als die Hälfte aller Länder hat bislang verbindliche Vorschriften für Blei in Lacken und Farben. Gordon fordert Gesetze und deren Durchsetzung: „Die Länder müssen jetzt in die Gänge kommen und Blei aus Produkten und der Umwelt entfernen, bevor es in den Blutkreislauf von Kindern gelangt.“

Share.
Die mobile Version verlassen