Laut Studie
Gehtraining gegen Gebrechlichkeit: Auf das Tempo kommt es an
24.10.2026 – 11:09 UhrLesedauer: 2 Min.
Bei gebrechlichen Menschen könnte sich ein zügiges Gehtraining positiv auf Gehfähigkeit und Mobilität auswirken und den Schweregrad verringern.
Unter Altersgebrechlichkeit, medizinisch auch Frailty-Syndrom genannt, verstehen Fachleute eine erhöhte körperliche Verletzlichkeit, die weit über bloße Alterserscheinungen hinausgeht und häufig zum Verlust der Selbstständigkeit führt. Typische Anzeichen sind etwa Erschöpfung, geringe körperliche Aktivität, geringe Muskelkraft und langsames Gehen. Betroffene haben dadurch ein höheres Risiko für Stürze und Krankenhausaufenthalte.
Doch mit einem gezielten Gehtraining lässt sich womöglich gegensteuern: Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlichte Forschungsarbeit legt nahe, dass es dabei nicht nur darauf ankommt, überhaupt zu gehen, sondern auch darauf, wie intensiv das Training ist.
Zügiges Gehen zeigt stärkeren Effekt
An der Studie nahmen 165 Menschen mit beginnender oder ausgeprägter Gebrechlichkeit aus Seniorenwohnanlagen in den USA teil. Das Durchschnittsalter lag bei 79 Jahren. Etwa zwei Drittel nutzten eine Gehhilfe.
Die Bewohner wurden je nach Wohnanlage zufällig einem von zwei Trainingsprogrammen zugeteilt: In der einen Gruppe gingen die Senioren in lockerem, selbstgewähltem Tempo. In der anderen sollten die Teilnehmer deutlich zügiger unterwegs sein, mit einer Belastung von etwa 70 Prozent der individuell geschätzten maximalen Herzfrequenz.
Die Forscher überwachten die Belastung bei allen Senioren anhand der Herzfrequenz sowie anhand der von den Probanden angegebenen empfundenen Anstrengung. Letzteres war besonders wichtig, weil viele Teilnehmer Medikamente einnahmen, die Blutdruck und Puls beeinflussen können.
Beide Gruppen trainierten 16 Wochen lang dreimal pro Woche jeweils 45 Minuten, wobei die Senioren immer dieselben Wege durch Flure und Treppenhäuser ihrer Wohnanlage gingen. Die Einheiten wurden von geschulten Mitarbeitern begleitet.
Von den Teilnehmern, deren Abschlussdaten vorlagen, nahm bei rund 70 Prozent in der zügigen Gehgruppe der Gebrechlichkeitsgrad ab. In der Gruppe mit entspanntem Tempo waren es etwa 46 Prozent. Das konnte etwa bedeuten, dass aus einer ausgeprägten eine leichtere Gebrechlichkeit wurde.
Auch die normale Gehgeschwindigkeit, die erreichte Strecke im Sechs-Minuten-Gehtest und die täglichen Schrittzahlen entwickelten sich bei zügigem Training günstiger. Die Forscher vermuten, dass die höhere Belastung fordernder für Herz und Kreislauf ist und dadurch körperliche Reserven stärken kann.
Gehtraining nur unter Anleitung zu empfehlen
Die Studie deutet darauf hin, dass ein gezieltes Gehtraining bei einer bestehenden Gebrechlichkeit hilfreich sein kann. Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass ältere Menschen mit Gebrechlichkeit nun ohne Vorbereitung oder ohne therapeutische Begleitung möglichst schnell gehen sollten. Das Training war eng begleitet, auf die individuelle Belastbarkeit abgestimmt und fand in einem geschützten Rahmen statt.
Zudem brachen viele Teilnehmer die Studie vorzeitig ab – vor allem in der schnelleren Gehgruppe. Rechnet man diese Ausfälle mit ein, war der Vorteil zwar weiter erkennbar, aber statistisch nicht mehr eindeutig. Ob sich die Ergebnisse auch auf ein selbstständiges Training zu Hause oder auf ältere Menschen in anderen Lebenssituationen übertragen lassen, müssen weitere Studien zeigen.
