Wer länger gesund und beweglich bleiben will, sollte bestimmten Organen mehr Aufmerksamkeit schenken. Warum Muskeln weit mehr sind als bloße Bewegungshilfen.
Beim Nachdenken über gesundes Altern werfen wir gern einen Blick in die Familienalben, wie lange es welcher unserer Altvorderen geschafft hat, auf halbwegs erträgliche Weise auf dieser Erde zu wandeln. Denn beim Altern, meinen wir, geht es nun mal um Genetik, dann um Blutdruck, Cholesterin oder Ernährung. Alles richtig, nur vergessen wir dabei, dass wir ein ganz famoses Langlebigkeitsorgan mit uns herumschleppen, das gehegt, gepflegt und vor allem trainiert sein will. Oftmals bemerken wir es aber gar nicht – solange alles gut geht: unsere Muskulatur.
Die Skelettmuskulatur macht einen erheblichen Teil unserer Körpermasse aus. Sie versetzt uns in die Lage, vom Boden aufzustehen, uns aufrecht zu bewegen, einen Zwischensprint einzulegen, Treppen zu steigen oder gelegentlich mal einen Sturz abzufangen.
Muskeln agieren wie eine Apotheke im Körper
Doch unsere Muskeln sind nicht einfach nur Bewegungshilfen, sondern auch Stoffwechselorgane. Sie agieren wie eine Apotheke, die wir durch Bewegung öffnen.
Muskeln ziehen Glukose – also energieliefernden Einfachzucker – aus dem Blut und speichern sie unter anderem als Glykogen, um bei Bedarf auf diese Energie zurückgreifen zu können. Sie sind ein wichtiger Ort für die Insulinwirkung. Muskelkontraktionen können die Glukoseaufnahme zudem auch unabhängig von Insulin steigern. Die von unseren Muskeln ermöglichte Bewegung heizt wiederum den Glukosestoffwechsel an, spielt erfolgreich im Zellstoffwechsel mit und optimiert das Verhältnis von Bewegung und Nährstoffverwertung im Körper, auch was Kohlenhydrate und Fette anbelangt.
Und das ist noch immer nicht alles. Muskeln können sogar kommunizieren: Ziehen sie sich zusammen, wird eine große Menge an Botenstoffen freigesetzt: Die sogenannten Myokine stammen aus der Muskulatur; Exerkine hingegen werden bei körperlicher Aktivität auch aus anderen Organen und Geweben freigesetzt. Beide sind Substanzen, die in den Blutkreislauf geleitet werden, von wo aus sie in Fettgewebe, Leber, Knochen gelangen und mit Gefäßen, unserem Immunsystem, möglicherweise auch mit unserem Gehirn in Austausch treten.
Dabei ist noch längst nicht alles bis in jede Einzelheit erforscht; zu komplex ist das System von Signalen von Anpassungen, das beim Training oder bei der körperlichen Bewegung generell entsteht. Klar ist jedoch: Bewegung ist in jedem Fall das Zauberwort für die vielen segensreichen Wirkungen auf unsere Gesundheit.
Im Alter werden die Muskeln wählerischer
Beim Eintritt in die zweite Lebenshälfte sieht es beinahe so aus, als lernten jetzt selbst die Ignoranten, ihren Muskeln die nötige Zuwendung zu zeigen. Wenn wir keine Gegenmaßnahmen ergreifen, reduziert sich unsere Muskelmasse nämlich mehr und mehr, und damit nehmen auch Muskelkraft und Explosivität den Abschied auf Raten: Bestimmte Dinge gehen plötzlich nicht mehr.
Dabei nimmt die Muskelkraft – und besonders die Schnellkraft für möglichst große Impulse in kurzer Zeit – im Alter häufig stärker und früher ab als die reine Muskelmasse. Irgendwann wird das Treppensteigen mühsamer, Lasten, die wir früher mühelos angehoben und durch die Gegend befördert haben, scheinen ihr Gewicht irgendwie verdoppelt zu haben. Unsere Muskeln werden wählerischer, was sie sich noch zumuten – und was wir noch leisten können.











