170 Millionen Menschen betroffen
Warum diese Hormonstörung jetzt einen neuen Namen bekommt
15.05.2026 – 13:56 UhrLesedauer: 3 Min.

Akne, Übergewicht, unregelmäßige Periode: Bis zu zehn Prozent der Frauen leiden am Polyzystischen Ovarialsyndrom. Doch nur wenige erhalten die richtige Diagnose. Das liegt auch am Namen der Krankheit.
Eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen bekommt einen neuen Namen: Aus dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) wird künftig das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS). Internationale Fachgesellschaften und Patientenorganisationen wollen damit ein Problem lösen, das Betroffene seit Jahren begleitet: Fehldiagnosen und Missverständnisse rund um die verbreitete Erkrankung.
Wie ein internationales Forschungskonsortium im Fachjournal „The Lancet“ berichtet, beschreibt der bisherige Begriff PCOS die Krankheit nur unzureichend. Denn viele Menschen verbinden die Diagnose automatisch mit Eierstockzysten. Genau das trifft auf die Erkrankung aber meist gar nicht zu. Stattdessen würden viele hormonelle und stoffwechselbezogene Merkmale unzureichend berücksichtigt.
Wie zeigt sich PCOS?
Ein PCOS äußert sich typischerweise durch eine unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutung und sichtbare körperliche Anzeichen für einen Überschuss männlicher Geschlechtshormone wie Akne und verstärkte Körperbehaarung. Die Krankheit gehört überdies zu den häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Mehr Informationen zum PCOS finden Sie hier.
PCOS: Kein Anstieg an abnormen Zysten am Eierstock
Die Endokrinologin Helena Teede erklärte laut dem „Ärzteblatt“ beim Europäischen Endokrinologie-Kongress in Prag: „Wir wissen heute, dass es tatsächlich keinen Anstieg an abnormen Zysten am Eierstock gibt und dass die vielfältigen Merkmale dieser Erkrankung oft nicht erkannt wurden.“
Nach Angaben des Forschungskonsortiums leiden weltweit rund 170 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter an der Hormonstörung. Trotzdem bleibt sie häufig lange unerkannt. „Bei vielen Frauen braucht es zwei bis drei Facharztkonsultationen und bis zu zwei Jahre bis zur Diagnosestellung“, so Teede. Bis zu 70 Prozent der Betroffenen erhalten laut der aktuellen Analyse gar keine Diagnose.
- Mögliche Folgen von PCOS: Beeinflusst das PCO-Syndrom die Lebenserwartung?
Auch die starke Fokussierung auf die Eierstockzysten aufgrund des bisherigen Namens habe dazu beigetragen, erklärt Teede. Dies bestätigt auch eine aktuelle Umfrage: In einer weltweiten Befragung von 7.000 Teilnehmern brachten 85 Prozent der Patientinnen und 62 Prozent der Ärzte PCOS mit Eierstockzysten in Verbindung, heißt es darin.
Statt eines Anstiegs an abnormen Zysten am Eierstock zeigen Ultraschalluntersuchungen bei PMOS-Patientinnen häufig viele kleine unreife Eibläschen, sogenannte Follikel. Diese sehen zwar zystenähnlich aus, unterscheiden sich aber deutlich von echten Eierstockzysten. So führen Zysten eher zu Schmerzen, Verdrehungen und Rissen am Eierstock oder Blutungen.
PMOS: Neue Bezeichnung soll Krankheit besser erklären
Durch die neue Bezeichnung erhoffen sich die Forscherinnen und Forscher, eine verbesserte Diagnosestellung und ein besseres Bewusstsein für die Erkrankung. Denn der neue Name PMOS soll die Erkrankung präziser beschreiben. Das Wort „polyendokrin“ weist darauf hin, dass mehrere Hormonsysteme betroffen sind. „Metabolisch“ beschreibt die Auswirkungen auf den Stoffwechsel.
Denn die Krankheit betrifft weit mehr als nur die Eierstöcke. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtem Diabetesrisiko oder Fettstoffwechselstörungen. Auch psychische Beschwerden wie Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen treten häufiger auf. Hinzu kommen Akne, verstärkte Körperbehaarung oder Haarausfall. Mehr zu den typischen PCOS-Symptomen erfahren Sie hier.












