Ja, jetzt ist Mut gefragt

Einen sterbenden Wal sich selbst und damit dem Tod zu überlassen, ist eine Entscheidung – aber nicht die einzig Mögliche. Genau das macht die aktuelle Situation vor Poel so grundlegend: Es geht nicht nur um die Frage, ob dieser Buckelwal gerettet werden kann, sondern ob überhaupt noch ernsthaft versucht wird, es herauszufinden.

Die Lage ist widersprüchlich, aber eindeutig genug für eine Abwägung. Ja, Gutachten kommen zu dem Schluss, dass dem Tier „nicht sinnvoll geholfen werden“ könne. Ja, es gibt erhebliche Zweifel unter Wissenschaftlern und Tierschützern. Das darf nicht ignoriert werden.

Aber ebenso klar ist: Die zuständige Landesbehörde hat einen neuen Rettungsversuch geprüft und erlaubt. Umweltminister Till Backhaus spricht von einem „sehr durchdachten“ Konzept und nennt den Versuch „lohnenswert“. Die Aktion soll „minimalinvasiv“ erfolgen und wird behördlich begleitet. Es geht also nicht um blinden Aktionismus, sondern um einen überwachten Versuch, der erst nach weiteren Tests überhaupt umgesetzt werden würde.

Ein kategorisches Nein zum Rettungsversuch wirkt daher fragwürdig. Wenn ein Konzept vorliegt, das nach behördlicher Prüfung zumindest vertretbar ist, wenn der Zustand des Tieres vor Ort erneut überprüft wird und wenn der Eingriff so schonend wie möglich geplant ist, warum sollte dann der Versuch grundsätzlich unterbleiben?

Denn die Alternative bedeutet, aktiv darauf zu verzichten, eine mögliche – wenn auch geringe – Chance zur Rettung von Timmy zu nutzen. Und sie bedeutet auch, auf praktische Erkenntnisse zu verzichten, die für zukünftige Strandungen entscheidend sein könnten. Daher ist jetzt Mut gefragt.

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