Lieber Geld für Forschung? Ja, aber
Kritiker monieren, dass man, statt Aktien zurückzukaufen, in Forschung und Entwicklung investieren könne. Das stimmt. Aber wer sagt, dass das eine das andere ausschließt? Nvidia ist so ein Beispiel. Zu den 235 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe kommen massive Investitionen in Forschung und Entwicklung: In diesem Jahr gibt Nvidia hierfür gut 18 Milliarden US-Dollar aus – eine Steigerung von gut 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so das Unternehmen. Damals betrugen die Investitionen in dem Bereich knapp 13 Milliarden US-Dollar.
Nvidia investiert damit mehr als seine Konkurrenten AMD (8 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung) oder TSMC (7,9 Milliarden). Aber wenn sich gerade keine lohnende Investition abzeichnet? Manchmal ist es dann die bessere Entscheidung, nicht zu investieren.
Einige Branchen verwundern aber tatsächlich
Natürlich gibt es Unternehmen, bei denen man sich fragt, ob der Rückkauf wirklich sein muss. Mercedes zum Beispiel mit seinem neuen Milliarden-Rückkauf, und BMW mit zwei Milliarden. Die Branche ächzt ohnehin unter sinkenden Gewinnen, Zöllen und immer mehr Wettbewerb und muss sehen, dass sie die Verbrenner-Gelder gut investiert in neue Technologien und Modelle.
Da fragt man sich schon: Ist es in der angeschlagenen Branche wirklich sinnvoll, die eigenen Aktien gerade jetzt zurückzukaufen? Vermutlich will man hier die Aktionäre – es sind ja auch und gerade internationale große Anteilseigner – bei Laune halten. Eine Art Bleibe-Prämie sozusagen.
Dividenden sind etwas anderes
Der grundsätzliche Unterschied zur Dividende: Dividenden werden, einmal gezahlt, auch künftig erwartet. Unternehmen, die ihre Dividende streichen oder kürzen müssen, werden an der Börse meist gehörig abgestraft. Denn das heißt: Die Geschäfte laufen nicht mehr wie gewohnt. Bei Aktienrückkäufen gibt es diese Strafmechanismen bis dato nicht.
Schwierig wird es bei Unternehmen, die trotz schwacher Geschäftsentwicklung an ihren Dividenden festhalten, um ihre Aktionäre bei Laune zu halten. Damit sie in der Anleger- und Investoren-Gunst weiter gut wegkommen, zahlen einige trotz schwieriger Lage die Dividende ganz oder zum Teil weiter. Aus der Substanz. Ohne sie sich leisten zu können. Eigentlich gehört das an den Kapitalmärkten abgestraft. Doch dem ist meist nicht so. Und manche Unternehmen zahlen erst gar keine Dividende. Amazon ist so ein Beispiel. Oder Tesla. Sie kaufen auch keine Aktien zurück. Und sind trotzdem Anleger-Lieblinge.
Aktienrückkauf kann ein Risiko sein
Natürlich kann man Rückkäufe auch missbrauchen: Wer Aktien mit Krediten zurückkauft oder absurd hohe Preise zahlt, steigert das unternehmerische Risiko. Auch dringend benötigte Investitionen zurückzustellen zugunsten von solchen Rückkaufprogrammen, ist nicht besonders smart.










