Eine Querstraße vom Rathaus entfernt steht eine inzwischen geschlossene Kirche der „New Testament Christian Church“, einer kleinen, fundamentalistisch-evangelikalen christlichen Glaubensgemeinschaft mit Sitz in den USA, die nach eigenen Angaben rund 3.000 Mitglieder weltweit zählt.
An der benachbarten Tankstelle tanken zwei junge Männer in Uniformen der US-Armee. Ein weiterer Amerikaner in Zivil hat zu kämpfen – seine Kreditkarte funktioniert nicht. „The fucking machine.“ Er stellt sich als „retired“ vor, als Soldat im Ruhestand. Nach mehreren Versuchen gibt er auf und fragt nach der nächstgelegenen Tankstelle. Sie liegt in Sulzbach-Rosenberg. Ein ungläubiger Blick: „Fuck.“ Sulzbach-Rosenberg liegt mehr als zehn Kilometer entfernt. Die Wege hier, im sogenannten strukturschwachen Raum, sie sind lang.
Für die oberpfälzische Kleinstadt wäre ein Abzug der US-Truppen „ein heftiger Einschnitt“, sagt Grädlers Vorgänger, Ex-Bürgermeister Hans-Martin Schertl. Von 2004 bis Ende April 2026 saß er im Vilsecker Rathaus. Rund um den Armeestützpunkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Industrie entwickelt, erklärt Schertl: „Die Soldaten wollen ein Auto, natürlich amerikanisches Modell. Es wurden Wohnungen gebaut, Supermärkte in der Basis, aber auch außenherum.“
Schertl berichtet von einem Steakhouse, „das wird zu 95 Prozent von den Amerikanern frequentiert. Wenn die Soldaten weg wären, könnten die zusperren.“ Grädler untermauert das mit Zahlen: „Die Wirtschaftskraft, die vom Truppenübungsplatz ausgeht, beträgt 650 bis 700 Millionen Euro. Jährlich.“ Er zählt Wirtschaftszweige auf, die vom Truppenübungsplatz profitieren: Reinigungsfirmen, Gartenarbeiten, Baufirmen, Restaurants, Gaststätten, Kfz-Werkstätten, privater Lebensmittelkonsum, Reiseunternehmen.
Bürgermeister Grädler greift sich an den Kopf. „Wir müssen Ersatz schaffen.“ Die Stadt erschließt aktuell ein Industriegebiet, seit Jahren kauft Vilseck dafür bereits Grundstücke auf – sieben Hektar, bezugsfertig im Herbst. Es ist eine Lektion aus Trumps erster Amtszeit. „Unser oberstes Ziel, und damit meines als neuer Bürgermeister, ist, dieses Gewerbegebiet mit Unternehmen zu besiedeln, um die Abhängigkeit vom Truppenübungsplatz ein Stück weit abzubauen.“










