Bemerkenswerte Studie

Deutsche glauben an geringere Kaufkraft


Aktualisiert am 08.07.2026 – 02:06 UhrLesedauer: 3 Min.

Eine Frau in einem Baumarkt (Symbolbild): Viele Bürger denken, dass die Lebenshaltungskosten gestiegen sind. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Ivan Traimak/imago)

Die Einkommensdelle durch Covid-Krise und Ukrainekrieg ist eigentlich ausgeglichen. Doch die Bürger nehmen ihre finanzielle Lage anders wahr.

Eine Mehrheit der Bürger in Deutschland hat das Gefühl, sich seit der Corona-Krise und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine weniger leisten zu können. In einer Studie des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gaben 59 Prozent der Befragten an, dass ihre Kaufkraft gesunken sei. Nur elf Prozent hatten einen gegenteiligen Eindruck, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ aus der Studie.

Die Befragung fand noch vor dem Iran-Krieg statt. Sie ist nach Angaben der Studienautoren bemerkenswert, denn die Einbußen sind durch Gehaltssteigerungen, einen höheren Mindestlohn, eine Anhebung der Renten und eine nachlassende Teuerung zumindest im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt längst wieder wettgemacht, so die Untersuchung. Es gebe eine „erhebliche Diskrepanz zwischen wahrgenommener und gemessener Entwicklung der verfügbaren Realeinkommen“, heißt es in der IMK-Studie.

  • Konsum in Europa: Für diese Dinge geben die Deutschen ihr Geld aus
  • Wachstumsaussichten: Iran-Krieg kostet deutsche Haushalte 400 Euro

Preise des täglichen Bedarfs sind gestiegen

Die Ökonomen vermuten, dass der Eindruck der Bürger vor allem durch gestiegene Preise für Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs entsteht. Dazu zählen insbesondere Öl und Gas zum Beheizen der Wohnung, Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren sowie Gaststätten- und Restaurantbesuche. Hier sind die Preise dem Statistischen Bundesamt zufolge um 33 bis 47 Prozent gestiegen. Nach Berechnungen der „Süddeutschen Zeitung“ entsprechen allein die höheren Energiekosten einer Belastung von 400 Euro pro Kopf in Deutschland. Allerdings seien Preise für Bekleidung und Schuhe, Wohnen und Wohnungsinstandhaltung sowie Freizeit, Unterhaltung und Kultur weit weniger gestiegen.

Die Bürger schätzen demnach ihre wirtschaftliche Lage negativer ein als es die tatsächliche Entwicklung der verfügbaren Realeinkommen nahelegt, zitiert die „SZ“ die Forscher. Das hat wiederum Folgen für die Wirtschaft. Denn wenn Bürger denken, sie können sich weniger leisten, schränken sie den Konsum ein, schlussfolgert die Studie.

Die Untersuchung fand auch heraus, dass sich die politische Stimmung eintrübt. Von den Befragten, die den Eindruck haben, mit weniger Geld als früher auskommen zu müssen, waren fast 80 Prozent unzufrieden mit der Arbeit der Koalition aus CDU, CSU und SPD. 35 Prozent gaben gar an, überhaupt kein Vertrauen mehr in die Regierung zu haben.

Bundesbank: Wirtschaft erholt sich im Herbst

Die vom Iran-Krieg ausgebremste deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesbank erst im Herbst wieder etwas wachsen. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung nach einer Flaute im Sommer im dritten Quartal 2026 wieder leicht um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen, prognostizierte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Juni.

Share.
Die mobile Version verlassen