Der Fokus liegt bei der Behandlung dann vor allem darauf, die Belastung zu mindern und einen positiveren Umgang mit den Ohrgeräuschen zu erlernen. Dabei spielt auch eine Rolle, die Betroffenen darüber aufzuklären, was Tinnitus eigentlich ist und dass im Grunde keine Gefahr von ihm ausgeht. So lassen sich möglicherweise bestehende Ängste abbauen.
Liegt neben dem Tinnitus außerdem ein Hörverlust vor, kann ein Hörgerät hilfreich sein. Wieder besser zu hören, erleichtert es vielen Betroffenen, sich an die Ohrgeräusche zu „gewöhnen“ und mindert die Belastung im Alltag.
Medikamente gegen Tinnitus
Leider gibt es bislang keine Medikamente, um einen Tinnitus gezielt zu behandeln. Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass weder Ginkgo biloba noch Betahistin oder Kortison dabei helfen können, einen chronischen Tinnitus loszuwerden oder zu lindern.
Liegen jedoch neben einem Tinnitus gleichzeitig Depressionen oder eine Angsterkrankung vor und werden diese mit Medikamenten behandelt, bessern sich indirekt oft auch die Ohrgeräusche beziehungsweise die durch sie ausgelösten Belastungen.
Was bei Tinnitus wahrscheinlich nicht hilft
Wer nach Möglichkeiten sucht, seinen Tinnitus loszuwerden, stößt in der Regel auf allerlei Therapieangebote. Viele dieser Methoden sind jedoch hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gegen Ohrgeräusche wissenschaftlich nicht gut untersucht.
Keine Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte bislang unter anderem für:
– Akupunktur
– elektromagnetische Stimulation, wie etwa die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)
– Mittel gegen Epilepsie wie der Wirkstoff Gabapentin
– Ginkgo biloba
– hyperbare Sauerstofftherapie (Sauerstoffbehandlung in einer Überdruckkammer)
– Hypnose
– Nahrungsergänzungsmittel wie Zink oder bestimmte Vitamine
– sogenannte Tinnitus-Masker oder Tinnitus-Noiser, eine spezielle Form von Geräuscherzeugern, die wie eine Art Hörgerät getragen werden
– sogenannte frequenzgefilterte Musik, die mithilfe spezieller Smartphone-Apps erzeugt wird und dabei die eigene Tinnitus-Frequenz wegfiltert
Kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus
Nachweislich kann hingegen eine kognitive Verhaltenstherapie dazu beitragen, mit einem Tinnitus im Alltag besser zurechtzukommen, und dadurch die Lebensqualität wieder verbessern. Vielen Betroffenen gelingt es im Laufe der Therapie, die Ohrgeräusche immer weniger wahrzunehmen. Die Behandlungsform wirkt sich zudem positiv auf möglicherweise bestehende depressive Beschwerden aus.
Tinnitus-Bewältigungstherapie
Ebenso kann eine Tinnitus-Bewältigungstherapie (TBT) langfristig dabei helfen, mit den Ohrgeräuschen besser zurechtzukommen und diese immer stärker auszublenden.
Ein wichtiger Teil dieser Form der Tinnitus-Behandlung ist das sogenannte Counseling, in welchem Betroffene eingehend über ihren Tinnitus und mögliche Zusammenhänge (wie Lärm, Stress oder Hörminderungen) aufgeklärt werden. Ein besseres Verständnis soll dazu beitragen, möglicherweise bestehende Ängste zu lindern und Fehlinformationen zu korrigieren.
Von Bedeutung ist außerdem, dass die Teilnehmenden das genaue Therapieziel erfahren: Dieses besteht nicht darin, den chronischen Tinnitus zu beseitigen. Stattdessen sollen Betroffene sich an diesen gewöhnen und sein Vorhandensein akzeptieren. Ziel der Behandlung ist zudem, die Ohrgeräusche bestmöglich aus dem Bewusstsein zu verdrängen und sie gewissermaßen zu vergessen – und dadurch loszuwerden.
Im Verlauf der Tinnitus-Bewältigungstherapie lernen Betroffene, den Fokus nicht länger auf die störenden Ohrgeräusche zu richten, sondern das Bewusstsein davon abzulenken. Sie erfahren auch, dass es wichtig ist, auf sich selbst und das eigene Wohlbefinden zu achten. Dazu werden in der Regel Entspannungstechniken vermittelt, die dazu beitragen können, das (meist erhöhte) Stressniveau zu normalisieren.











