Überraschendes Ergebnis
Diese Berufsgruppe hat ein besonderes Krebsrisiko
20.09.2026 – 13:54 UhrLesedauer: 2 Min.
Flugpersonal ist im Job mehr Strahlung ausgesetzt als jede andere Berufsgruppe – sogar mehr als Nukleartechniker. Eine Studie zeigt nun, welche Folgen das haben kann.
Wer beruflich fliegt, setzt sich bei jedem Flug kosmischer Strahlung aus. In großer Höhe ist die Atmosphäre dünner und filtert weniger Strahlung aus dem Weltall heraus. Piloten und Flugbegleiter verbringen dort oben einen Großteil ihrer Arbeitszeit. Welche gesundheitlichen Folgen das hat, blieb lange unklar. Eine neue Studie liefert nun Hinweise, dass ihr Risiko, an Krebs zu sterben, stark steigt.
Flugbegleiter an der Spitze von 503 Berufen
Ein Forschungsteam der Harvard Medical School und des National Bureau of Economic Research hat untersucht, wie häufig verschiedene Berufsgruppen an strahlenbedingten Krebserkrankungen sterben. Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“.
Für die Querschnittsstudie wertete das Team Daten aus US-amerikanischen Sterbeurkunden der Jahre 2020 bis 2024 aus. Insgesamt flossen die Daten von mehr als 12,7 Millionen Verstorbenen aus 503 Berufsgruppen in die Analyse ein – darunter rund 14.190 Piloten und 7.170 Flugbegleiter.
Das Ergebnis: Flugbegleiter wiesen unter allen 503 untersuchten Berufen den höchsten Anteil an Todesfällen durch strahlenbedingte Krebserkrankungen auf. 6,9 Prozent aller Todesfälle in dieser Gruppe gingen auf solche Krebsarten zurück. Piloten folgten mit 6,7 Prozent auf dem zweiten Platz. Dieser Anteil übertrifft sogar den von Nukleartechnikern, die routinemäßig mit Strahlung aus nicht-kosmischen Quellen arbeiten.
Haben auch Passagiere ein höheres Krebsrisiko?
Laut den Studienautoren sind Flugreisende sehr viel weniger kosmischer Strahlung ausgesetzt und haben damit ein deutlich geringeres Risiko. Wer jährlich zehn Hin- und Rückflüge quer durch das Land absolviert (in diesem Fall den USA), bekommt etwa 0,4 Millisievert Strahlung ab. Piloten und Flugbegleiter sind jährlich hingegen einer geschätzten Dosis von drei bis sechs Millisievert an kosmischer Strahlung ausgesetzt.
Welche Krebsarten besonders häufig auftraten
Als strahlenbedingt stuften die Forschenden unter anderem Brustkrebs, Tumoren des zentralen Nervensystems (also des Gehirns und Rückenmarks), das multiple Myelom (eine Krebserkrankung des Knochenmarks), bestimmte Formen von Leukämie (Blutkrebs), Lymphome (Krebs des Lymphsystems), Schilddrüsen- und Prostatakrebs sowie Melanome (schwarzer Hautkrebs) und andere Hauttumoren ein. Lungenkrebs schlossen sie wegen seiner starken Verbindung zum Rauchen bewusst aus.
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Besonders auffällig: Bei Flugbegleitern und Piloten lag das Sterberisiko für Brustkrebs, Prostatakrebs und Melanome deutlich über dem Durchschnitt. Auch bei Tumoren des zentralen Nervensystems zeigte sich ein erhöhtes Risiko. Bei Piloten war zusätzlich die Sterblichkeit durch Leukämie signifikant erhöht.
Wichtig dabei: Bei Krebsarten, die nicht mit Strahlung in Verbindung stehen, lagen beide Berufsgruppen im Mittelfeld aller untersuchten Berufe. Auch Flugzeugmechaniker zeigten keine erhöhte strahlenbedingte Krebssterblichkeit – obwohl sie ebenfalls in der Luftfahrt arbeiten, verbringen sie ihre Arbeitszeit am Boden.
Wie verursacht Strahlung Krebs?
Ionisierende Strahlung – dazu gehören etwa Röntgen- und Gammastrahlung – kann die Erbsubstanz in Körperzellen verändern. Solche Schäden am Erbgut können dazu führen, dass Zellen unkontrolliert wachsen und Krebs entsteht. Dabei gilt: Je höher die Strahlendosis und je länger die Belastung, desto größer das Risiko.
Was die Studie bedeutet – und was sie nicht zeigt
Das Forschungsteam weist ausdrücklich darauf hin, dass die Studie ausschließlich Todesfälle erfasst hat. Sie erlaubt daher keine Aussage darüber, wie häufig Flugpersonal tatsächlich an den jeweiligen Krebsarten erkrankt. Dennoch sprechen die Ergebnisse nach Einschätzung der Wissenschaftler für eine stärkere berufliche Strahlenbelastung. Sie fordern daher mehr Schutz für Flugbesatzungen.












