
Tödlicher Angriff auf Zugbegleiter
So gefährlich ist der Job bei der Bahn
Aktualisiert am 04.02.2026 – 15:58 UhrLesedauer: 2 Min.
Der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. markiert ein trauriges Novum im Bahnverkehr. Statistiken zeigen jedoch das Ausmaß der Gewalt, die das Personal täglich erfährt.
Nach dem gewaltsamen Tod des Bahnmitarbeiters Serkan C. ist die Bestürzung groß. Am Montagabend wollte der 36-Jährige in einem Regionalexpress bei Kaiserslautern die Fahrkarten der Mitfahrenden kontrollieren. Dabei stieß er auf einen Fahrgast ohne gültiges Ticket. Als Serkan C. den Mann daraufhin aufforderte, den Zug zu verlassen, rastete dieser aus und griff den Bahnmitarbeiter an. Noch vor Ort musste Serkan C. nach der brutalen Tat reanimiert werden. Am Mittwochmorgen dann die traurige Nachricht: Er starb im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen.
Der Tatverdächtige wurde noch am Tatort festgenommen und befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft. Nach Angaben einer Polizeisprecherin handelt es sich um einen Griechen ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Die Kriminaldirektion Kaiserslautern ermittelt wegen des Verdachts auf Totschlag.
Die EVG hat für heute um 15 Uhr Mitarbeitende sowie Fahrgäste zu einer Schweigeminute für Serkan C. aufgerufen.
Es ist ein trauriges Novum. Nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) handelt es sich um den ersten Zugbegleiter, der im Dienst und ohne eigenes Fehlverhalten getötet wurde. Gewalt gegen Beschäftigte der Bahn ist jedoch keineswegs ein Einzelfall. Aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Dietmar Bartsch zu Beginn des Jahres ging hervor, dass täglich durchschnittlich fünf Mitarbeitende des Konzerns Übergriffe erleben. Hinzu kommen statistisch rund vier Bedrohungen pro Tag.
Das Innenministerium zählte für den Zeitraum von Januar bis Ende Oktober 2025 2.987 Straftaten gegen Beschäftigte der Bahn. Besonders häufig wurden Bedrohungen (1.148) und Körperverletzungen (1.231) registriert, hinzu kamen 324 Fälle gefährlicher Körperverletzung.
Eine Umfrage der EVG aus dem Jahr 2024 zeichnete ein ähnlich besorgniserregendes Bild. Demnach waren acht von zehn Mitarbeitenden bereits Opfer eines verbalen oder körperlichen Angriffs geworden. 36 Prozent der Befragten fühlten sich bei der Ausübung ihrer Arbeit unsicher. 43 Prozent berichteten, bei der Arbeit bereits bespuckt worden zu sein.
Fälle extremer Gewalt sind seltener, kommen jedoch vor: Im Sommer vergangenen Jahres wurde ein 59-jähriger Busfahrer in Bergheim brutal zusammengeschlagen und lag anschließend stundenlang im künstlichen Koma. Er überlebte, trägt jedoch bis heute Folgen davon. Eine Rückkehr in seinen alten Beruf ist für ihn nicht denkbar.










