Nachsorge im Wandel
Sind Betablocker nach einem Herzinfarkt unnötig?
09.04.2026 – 16:59 UhrLesedauer: 3 Min.
Lange Zeit galten Betablocker nach einem Herzinfarkt als unverzichtbar. Neue Forschungsergebnisse wecken jedoch Zweifel am Nutzen der Dauerbehandlung.
Eine aktuelle Studie aus Südkorea hat gezeigt: Viele Menschen, die nach einem Herzinfarkt Betablocker verschrieben bekommen haben, könnten die Medikamente möglicherweise absetzen, ohne mit gesundheitlichen Nachteilen rechnen zu müssen.
Seit den 1980er-Jahren kommen nach einem Herzinfarkt üblicherweise Betablocker zum Einsatz. Die Wirkstoffe senken den Blutdruck und die Herzfrequenz. Das entlastet den Herzmuskel in den Bereichen, die den Infarkt überlebt haben. Laut den Ergebnissen früherer Studien verringert sich dadurch das Risiko, einen weiteren Herzinfarkt zu bekommen und zu sterben.
Mittlerweile hat sich die Behandlung von Herzinfarkten jedoch stark verändert. Das Forschungsteam aus Südkorea wollte deshalb untersuchen, ob Betablocker auch heute noch für alle Betroffenen notwendig sind. An seiner Studie nahmen 2.540 Personen mit einem Durchschnittsalter von 63,2 Jahren teil, die ein Jahr zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten.
Fast alle Studienteilnehmer hatten sich einem Eingriff unterzogen, um die Durchblutung der Herzkranzgefäße wiederherzustellen. Dieser bestand meist in einer perkutanen koronaren Intervention (PCI): Das ist ein Kathetereingriff, bei dem verengte Gefäße erweitert werden. Zum Zeitpunkt der Studie hatte sich die Herzfunktion aller Teilnehmer wieder normalisiert. Außerdem zeigte niemand von ihnen Symptome einer Herzschwäche.
Das Forschungsteam teilte alle teilnehmenden Personen per Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein: Eine Gruppe setzte die Betablocker ab, die andere nahm sie weiter ein. Über einen Zeitraum von durchschnittlich gut drei Jahren beobachtete das Team, ob schwerwiegende Ereignisse auftraten. Dazu zählten Todesfälle, erneute Herzinfarkte oder Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche.
Das Ergebnis: In der Gruppe ohne Betablocker traten bei 58 Personen schwerwiegende Ereignisse auf, in der Vergleichsgruppe bei 74 Personen. Daraus lässt sich abschätzen, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse nach vier Jahren ohne Betablocker 7,2 Prozent und mit Betablockern 9,0 Prozent beträgt. Auch die Sterblichkeit war in der Absetzgruppe etwas niedriger, nämlich 2,4 gegenüber 3,4 Prozent.
Statistisch gesehen ergab sich kein signifikanter Unterschied. Das bedeutet: Die Unterschiede könnten auch zufällig entstanden sein. Dennoch bestätigt die Studie bereits vorliegende Hinweise darauf, dass das Absetzen der Betablocker nicht schlechter ist als die Fortführung der Behandlung.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Betablocker in bestimmten Fällen zur Nachsorge nach einem Herzinfarkt nicht mehr zwingend notwendig sind. Das gilt vor allem für Menschen, deren Herz nach dem Infarkt wieder weitgehend normal funktioniert und die keine Beschwerden haben.











