Verarbeitete Lebensmittel und Demenz
Wer viel Fertigkost isst, baut geistig schneller ab
05.06.2026 – 12:36 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine US-Studie mit mehr als 5.000 Teilnehmern zeigt: Wer besonders viele stark verarbeitete Nahrungsmittel zu sich nimmt, entwickelt häufiger Demenz.
Softdrinks, Tiefkühlpizza, Süßigkeiten und salzige Snacks gelten längst nicht mehr nur als Dickmacher, sondern als ernstes Gesundheitsrisiko. Alle paar Wochen macht eine neue Studie Schlagzeilen, die den Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel mit Volkskrankheiten wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs in Verbindung bringt.
Glaubt man einer aktuellen Untersuchung von Wissenschaftlern der Harvard University, könnten die Folgen jedoch nicht nur den Körper betreffen, sondern auch das Gehirn: Wer besonders viele solcher Produkte konsumiert, hat möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Gedächtnisprobleme und Demenz.
Langzeituntersuchung mit über 5.000 Teilnehmern
Die neuen Erkenntnisse basieren auf Daten der „Health and Retirement Study“ (HRS), einer der größten Altersstudien der USA. Seit 1992 werden darin alle zwei Jahre dieselben Menschen ab 50 Jahren zu ihrer Gesundheit und ihren Lebensumständen befragt. Ergänzend erfassen die Forscher unter anderem die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer und testen regelmäßig deren Gedächtnis und Denkvermögen.
Für die aktuelle Auswertung berücksichtigte das Forschungsteam die Daten von 5.370 Männern und Frauen, die zu Beginn weder an Demenz litten noch über ernsthafte Gedächtnisprobleme berichteten. Im Jahr 2013 gaben sie detailliert Auskunft darüber, was sie gewöhnlich essen und trinken.
Was sind ultrahochverarbeitete Lebensmittel?
Lebensmittel werden als sehr stark verarbeitet oder ultrahochverarbeitet bezeichnet, wenn sie einen mehrstufigen Verarbeitungsprozess hinter sich haben und viele Zusatzstoffe enthalten. Zu ihnen gehören etwa Süßigkeiten, Chips und andere salzige Snacks, Wurstwaren, Tiefkühlpizza und andere Fertiggerichte, Ketchup, gesüßte Frühstücksflocken, Instantnudeln, abgepackte Backwaren, Eiscreme sowie Soft- und Energydrinks.
Anschließend beobachteten die Forscher die Teilnehmer fast neun Jahre lang. Bis 2020 mussten diese regelmäßig Aufgaben lösen, mit denen sich Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere geistige Fähigkeiten überprüfen lassen. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler feststellen, bei wem sich im Laufe der Zeit Anzeichen einer Demenz oder anderer Formen geistigen Abbaus entwickelten.
Hoher Konsum könnte dem Gehirn schaden
Anschließend verglichen die Forscher die Teilnehmer je nach Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel an ihrem Speiseplan. Hierfür teilten sie sie in fünf Gruppen ein – von Menschen mit dem niedrigsten bis zu jenen mit dem höchsten Konsum.
Insgesamt erkrankten während der Beobachtungszeit 266 Teilnehmer an Demenz. Bei weiteren 1.191 Personen stellten die Wissenschaftler eine leichtere Form geistigen Abbaus fest, die zwar noch keine Demenz ist, aber als möglicher Vorläufer gilt.
Dabei stellte sich ein klarer Zusammenhang heraus: Teilnehmer, die viele ultraverarbeitete Speisen und Getränke zu sich nahmen, hatten ein deutlich höheres Risiko für geistige Einschränkungen als diejenigen, die nur wenig davon konsumierten. Konkret: Das Demenzrisiko der „Fertigköstler“ war im Vergleich zu den Teilnehmern, die am wenigsten der problematischen Lebensmittel zu sich nahmen, um 58 Prozent erhöht. Das Risiko für eine leichtere geistige Beeinträchtigung lag um 46 Prozent höher.
Um sicherzugehen, dass nicht andere Faktoren für den beobachteten Effekt verantwortlich waren, berücksichtigten die Wissenschaftler in ihren Berechnungen zahlreiche bekannte Risikofaktoren für Demenz. Dazu gehörten unter anderem Alter, Bildungsstand, Vermögen, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum, Depressionen und bestehende Erkrankungen. Der Zusammenhang zwischen ultraverarbeiteten Lebensmitteln und geistigem Abbau blieb aber bestehen.











