Berliner Luxushotel
Nobelherberge Adlon: Anleger wehren sich gegen Millionen-Deal
19.08.2026 – 04:41 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Berliner Nobelhotel Adlon soll verkauft werden. Einige Gesellschafter laufen dagegen Sturm – wegen einer Klausel, die Millionen wert sein könnte.
Beim geplanten Verkauf des Berliner Luxushotels Adlon regt sich Widerstand aus den eigenen Reihen. Mehrere Gesellschafter kritisieren eine Klausel im Vertragswerk, die der Immobiliengesellschaft Jagdfeld im Erfolgsfall Millionen einbringen könnte.
Konkret geht es um eine Erfolgsbeteiligung: Jagdfeld erhält nach übereinstimmenden Angaben 20 Prozent des Kaufpreises, sollte dieser höher als 310 Millionen Euro ausfallen. Angesetzt für die Immobilie am Pariser Platz ist ein Mindestpreis von 280 Millionen Euro.
Hotel Adlon vor verkauf: 75 Prozent der Anleger müssen zustimmen
Jagdfeld verteidigt die Regelung. „Es ist marktüblich, dass bei Überschreiten des Mindestverkaufspreises nicht nur die Gesellschafter profitieren, sondern auch der persönlich haftende Gesellschafter (phG)“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. „Damit gibt es einen Interessengleichlauf zwischen den Anlegern, die am Mehrerlös partizipieren, und dem phG, dessen außerordentliche Leistung, die zu einem hohen Verkaufspreis geführt hat, honoriert wird.“
Das Adlon ist Teil des Fundus-Fonds 31, der von Jagdfeld gemanagt wird. Der Fonds – und damit das Hotel – gehört dem Unternehmen zufolge rund 4.000 Eigentümern, überwiegend Privatanlegern. Weil diese inzwischen in einem Alter seien, in dem sie sich von ihren Anteilen trennen wollten, plant Jagdfeld eigenen Angaben zufolge den Verkauf.
„Mit dem angestrebten Verkauf kommen wir dem Wunsch der Anlegerinnen und Anleger am besten nach und sind so in der Lage, den höchstmöglichen Preis zu erzielen“, hatte die Jagdfeld-Gruppe jüngst mitgeteilt. Die Fondsgesellschaft sei in der komfortablen Position, „frei und aus eigenen Stücken diesen Weg gehen und Deutschlands berühmtestes Hotel in neue Hände geben zu können“. Für den Verkauf müssen mindestens 75 Prozent der Anlegerinnen und Anleger zustimmen. Die Frist dafür läuft bis zum 27. August.
Adlon-Verkauf: Erfolgsbeteiligung im zweistelligen Millionenbereich
Die kritischen Gesellschafter, die namentlich nicht genannt werden wollen, halten eigenen Angaben zufolge zusammen mehrere Hunderttausend Euro an dem Fonds. Sie halten einen Kaufpreis für das Adlon zwischen 350 Millionen und 400 Millionen Euro für realistisch. Die Erfolgsbeteiligung für Jagdfeld könnte sich dann auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen – aus Sicht der Anleger zu viel. Sie wollen dem Verkauf daher nicht zustimmen, brauchen dafür aber weitere größere Gesellschafter, um ihn noch zu verhindern.
Von Jagdfeld hieß es, man nehme eine „sehr positive Stimmung“ unter den Gesellschaftern wahr und sei zuversichtlich, dass die erforderliche Mehrheit zustande komme.
Adlon-Ururenkel Felix Adlon von Verkaufsplänen überrascht
Das prachtvolle Hotel in Ostberlin wurde vor fast 120 Jahren von Lorenz Adlon gegründet, brannte 1945 bis auf einen Seitenflügel ab und wurde 1984 vollständig abgerissen. In den 1990er-Jahren entstand es nach Originalplänen neu und wurde am 23. August 1997 wiedereröffnet. Betrieben wird es heute von der Luxushotelgruppe Kempinski.
Adlons Ururenkel Felix Adlon äußerte sich jüngst überrascht über den angekündigten Verkauf. Mit den derzeitigen Pächtern ist der 59-Jährige zufrieden, wie er kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“ sagte: „Kempinski führt das Hotel gut. Jagdfeld hat das neue Adlon mit Stil und Klasse wieder aufgebaut.“ Am liebsten aber würde er das Adlon und seinen Namen zurückkaufen. „Ich kann kein Stück Seife mit meinem Namen verkaufen“, sagte Adlon mit Blick auf die Namensrechte.









