Wichtige Cholesterinsenker
Statin-Studie überrascht – Experten warnen vor gefährlichen Fehlschlüssen
27.08.2026 – 07:18 UhrLesedauer: 3 Min.

Eine neue Studie stellt die Behandlung mit Statinen im Alter infrage. Mehrere Experten warnen jedoch eindringlich davor, daraus abzuleiten, dass Statine unwirksam seien.
Statine senken das LDL-Cholesterin und damit das Risiko für Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), Herzinfarkte und Schlaganfälle. Ärzte setzen die Medikamente meist bei Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein. Sie kommen aber auch vorbeugend zum Einsatz. Bei älteren Menschen ohne bisherige Herz-Kreislauf-Erkrankung gibt es bislang allerdings nicht sehr viele aussagekräftige Studiendaten.
Diese Lücke wollte ein französisches Forschungsteam schließen. Die Teammitglieder untersuchten, ob Menschen ab 75 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufiger starben, wenn sie ihre Statine absetzten. Sie verglichen die Daten mit Probanden, die ihre Statine auch weiterhin zur Prävention eines ersten Herzinfarkts oder Schlaganfalls einnahmen. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „The Lancet Healthy Longevity“.
Studie findet keinen Nachteil beim Absetzen
An der Auswertung nahmen 1.160 Menschen teil, im Mittel waren sie 80 Jahre alt. 639 Teilnehmer sollten ihre Statine weiternehmen, 521 sollten sie absetzen. Nach 36 Monaten waren in der Gruppe mit Statinen 7,9 Prozent der erfassten Teilnehmer gestorben, in der Absetzgruppe 7,2 Prozent.
Die Forscher kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass das Absetzen hinsichtlich der Gesamtsterblichkeit nicht schlechter abschnitt als die weitere Einnahme. Genau diese Aussage ruft nun jedoch deutliche Kritik hervor.
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Experten: Studie kann Nutzen-Frage kaum beantworten
Mehrere Fachleute halten die Daten für zu schwach, um daraus Empfehlungen für den Alltag abzuleiten. Die Gesundheitsökonomin Borislava Mihaylova von der Universität Oxford kritisiert im „Science Media Center“ (SMC) vor allem die geringe Teilnehmerzahl, die kurze Beobachtungszeit und die Wahl der Gesamtsterblichkeit als wichtigsten Messwert, statt auf die Zahl der schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse zu schauen. Insgesamt nennt sie die Studie „statistisch unzureichend“.
Bryan Williams, wissenschaftlicher und medizinischer Direktor der British Heart Foundation, erklärt im SMC, dass die Studienergebnisse nicht als Beleg dafür gewertet werden sollten, dass Statine keinen Nutzen mehr bieten – auch wenn die Studie auf den ersten Blick darauf hindeute. Im Gegenteil seien Statine „lebensrettende Medikamente“, deren Wirksamkeit in vielen sehr guten Studien nachgewiesen wurde.
Er verweist zudem darauf, dass die Ergebnisse für Millionen Menschen überhaupt nicht relevant seien, da sie die Medikamente aufgrund bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eines zurückliegenden Herzinfarkts oder Schlaganfalls bekommen. „Entscheidungen über eine Änderung oder das Absetzen der Statine sollten ausschließlich in Absprache mit Ihrem Arzt getroffen werden“, schreibt er abschließend.
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Auch der spanische Gefäßexperte Carlos Guijarro sieht ein zentrales Problem: Die Forscher erreichten nur etwa die Hälfte der geplanten Teilnehmerzahl, zugleich starben deutlich weniger Menschen als erwartet, schreibt er im SMC. Dadurch verlor die Studie erheblich an statistischer Aussagekraft – also an Fähigkeit, tatsächliche Unterschiede zwischen den Gruppen zu erkennen. Laut Guijarro lässt sich deshalb nicht zuverlässig beurteilen, ob das Absetzen die Sterblichkeit verändert – weder zum Positiven noch zum Negativen.












